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Abteilung Palynologie und Klimadynamik

Albrecht-von-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften
Georg-August-Universität Göttingen


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Impressum
Nach einer Laufzeit von 30 Jahren wurde das Forschungsprojekt über die Entwicklung der Vegetation und der Moore im Hochharz im Jahr 1999 abgeschlossen.

LANDSCHAFTSGESCHICHTE IM HOCHHARZ

Die Entwicklung der Wälder und Moore seit dem Ende der letzten Eiszeit

von Hans-Jürgen Beug, Irmtraud Henrion und Anneke Schmüser
 
 

454 Seiten, 220 z.T. farbige Abbildungen, 1 Beilage

Bezug: Papierflieger Verlag GmbH
Telemannstr.1
38678 Clausthal-Zellerfeld
Tel.: 05321/96746, Fax: 982831
Sabine@papierflieger-verlag.de

oder über den Buchhandel: ISBN 3-89720-256-5




(Hier als kleiner Einblick: Inhaltsverzeichnis, Vorwort, Einleitung und ein kleiner Textausschnitt)

INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort
1. Einleitung
2. Das Untersuchungsgebiet
2.1 Allgemeines
2.2 Naturräumliche Gliederung
2.3 Hydrographie
2.4 Geomorphologie
2.5 Geologische Gliederung
2.6 Die Vergletscherung des Harzes
2.7 Böden
2.8 Klima
2.9 Siedlungs- und Bergbaugeschichte
2.10 Torfgewinnung
2.11  Forst-, Landwirtschafts- und Naturschutzgeschichte
3. Die Vegetation
3.1 Flora und Höhenstufen
3.2 Die Vegetation außerhalb der Moore
3.2.1 Wälder
3.2.2 Die Vegetation grundwassernaher Standorte
3.2.3 Subalpine Matten
3.2.4 Wiesen und Magerrasen
3.3.Die Vegetation der Moore
3.3.1 Reisermoor- und Bruchwaldgesellschaften
3.3.2 Offene Moore
4. Die spät- und nacheiszeitliche Vegetationsgeschichte
4.1 Übersicht über die bisherigen Untersuchungen
4.2 Späteiszeit
4.3 Vorwärmezeit
4.4 Frühe Wärmezeit
4.5 Mittlere Wärmezeit
4.6 Späte Wärmezeit
4.7 Ältere Nachwärmezeit
4.8 Jüngere Nachwärmezeit
4.8.1 Bergbau und Vegetationsgeschichte: Firbas, Losert und Broihan
4.8.2 Untersuchungen an mittelalterlichen und neuzeitlichen Holzkohlen
4.8.3 Pollenzone Xa: Absolute Datierungen und Schwermetallgehalte im Torf
4.8.4 Schlußfolgerungen
4.9 Zeitstellung und Dauer der Pollenzonen
4.10 Einzelbeispiele vegetationsgeschichtlicher Untersuchungen
4.10.1 Auswahlkriterien und Darstellung
4.10.2 Bruchbergmoor
4.10.3 Auf dem Acker
4.10.4 Radauer Born
4.10.5 Rotenbeek-Tal
4.10.6 Sonnenberger Moor
4.10.7 Schalke
4.10.8 Wurmberg
4.10.9 Odersprungmoor
4.10.10 Großes Rotes Bruch
4.10.11 Rotes Moor
4.10.12 Brockenfeldmoor
4.10.13 Goethemoor
4.10.14 Brockenkuppe
4.11 Der rezente Pollenniederschlag
4.12  Die Entwicklung der Höhenstufen
4.12.1 Befunde für die einzelnen Holzarten
4.12.2 Die Wälder der Brockenkuppe
4.12.3 Die subalpine Mattenstufe
4.12.4 Die Entwicklung der Vegetationszonen
5. Die Vermoorungen
5.1 Übersicht
5.2 Moortypen
5.3 Aufbau der Torflager
5.4 Rohhumusdecken
6. Methoden
6.1 Geländearbeiten
6.2 Laboruntersuchungen
6.3 Pollenerhaltung, Pollenführung, Schichtstörungen, Sprünge
6.4 Pollenanalytische Untersuchung und Datierung
6.5 Darstellung der Ergebnisse
7. Die Moore zwischen Oderteich und Rehbach
7.1 Allgemeine Beschreibung des Gebietes
7.2 Rotes Moor
7.3 Hinteres und Mittleres Rotes Moor
7.4 Rehbachmoor
8. Die Moore am Magdbett bei Torfhaus
8.1 Allgemeine Beschreibung des Gebietes
8.2 Radauer Born und Kleines Torfhausmoor
8.3 Magdbettmoor
9. Die Acker-Bruchberg-Vermoorung
9.1 Allgemeine Beschreibung des Gebietes
9.2 Kammoor am Bruchberg
9.3 Stieglitzmoor
9.4 Acker-Vermoorung
10. Das Gipfelmoor auf dem Rehberg
11.Die Vermoorungen im Rotenbeek-Tal
11.1 Allgemeine Beschreibung des Gebietes
11.2 Torftiefen und Hydrographie
11.3 Die Entwicklung der ältesten Vermoorungen (Zonen III-V)
11.4 Hohlformen mit limnischen Ablagerungen
11.5 Alter, Zahl und Lage der Moorkerne
11.6 Flörichshaier Sattelmoor
11.7 Flörichshaier Moore
11.8 Oberes Schwarzes Moor
11.9 Unteres Schwarzes Moor
11.10 Vermoorungen außerhalb der Hochmoore
12.Die Vermoorungen zwischen Sonnenberg und Oderteich
12.1 Allgemeine Beschreibung des Gebietes
12.2 Sonnenberger Moor
12.3 Hörstemoor
12.4 Drei-Hörste-Bruch
13.Die Moore am Oberlauf der Oder
13.1 Allgemeine Beschreibung des Gebietes
13.2 Odersprungmoor
13.3 Oderbruch
13.4 Oderbrückmoor
14.Die Moore am Oberlauf der Großen Bode
14.1 Allgemeine Beschreibung des Gebietes
14.2 Bodemoor und östliches Kaiserwegbruch
14.3 Großes Rotes Bruch und Hügelmoor
14.4 Kleines Rotes Bruch
14.5 Schwarzer Sumpf
14.6 Sandbeekmoor
15.Das Königsmoor
16.Die Moore des Brockenfeldes
16.1 Allgemeine Beschreibung des Gebietes
16.2 Brockenfeldmoor
16.3 Eckersprungmoor
17.Die Brockenmoore
17.1 Allgemeine Beschreibung des Gebietes
17.2 Goethemoor
17.3 Moor an der Heinrichshöhe
17.4 Brockenbettmoor
17.5 Moor an den Rabenklippen
17.6 Die nordwestliche Hangvermoorung an der Brockenkuppe
18.Gesetzmäßigkeiten der Moorentwicklung
18.1 Moorkerne und Formen des Zuwachses
18.2 Typen der Moorentwicklung
18.3 Einfache Hangmoore
18.4 Gipfelmoore
18.5 Sattelmoore
18.6 Kammoore
18.7 Beispiele aus anderen Mittelgebirgen
19.Der zeitliche Ablauf der Vermoorung im Hochharz
19.1 Der zeitliche Ablauf der Moorkernbildung
19.2 Vermoorungsbeginn, Integrationsphasen und Ende der Vermoorung
19.3 Der Gesamtprozeß der Vermoorung im Hochharz
19.3.1 Horizontales Moorwachstum
19.3.2 Vertikales Moorwachstum
20. Die Ursachen der Moorentwicklung
20.1 Hydrographie
20.2 Untergrundformen
20.3 Klima
20.4 Böden
20.5 Der Gesamtprozeß
21. DieEntwicklung der Pflanzengesellschaften (Naßstandorte, Stillgewässer)
21.1 Material, Methoden und allgemeine Ergebnisse
21.2 Zur Vergesellschaftung der Arten (Niedermoore, andere Feuchtstandorte)
20.3 Die Entwicklung der Niedermoorgesellschaften und Hochstaudenfluren
20.4 Die Pflanzengesellschaften der Stillgewässer
22. Die Moore und Wälder des Hochharzes: Naturschutz und Forschung
23. Summary
24. Literatur
25. Anhang
Tabellen zum Kapitel 19
Verzeichnis und Erläuterungen der verwendeten Begriffe
Untersuchungsgebiete und Hydrographie im Hochharz
Radauer Born und Magdbettmoor; Luftbild
Bruchbergmoor; Profilschnitte
Brockenfeldmoor; Profilschnitte


VORWORT

Seit 1990 bzw. 1994 gibt es den Nationalpark Hochharz in Sachsen-Anhalt und den Nationalpark Harz in Niedersachsen. Die beiden Schutzgebiete mit einer Gesamtfläche von rd. 22 000 ha umfassen alle wesentlichen Biotoptypen der Harzer Landschaft vom Gipfel des  Brockens bis zum nördlichen und südlichen Harzrand. Innerhalb dieses Naturraumausschnittes nehmen die Wälder wegen ihrer Ausdehnung und die Moore wegen ihrer besonderen Ausprägung eine herausragende Stellung ein. Die langjährige wissenschaftliche Arbeit von Prof. Dr. Hans-Jürgen Beug und seinen Kollegen und Mitarbeiterinnen über die Landschaftsgeschichte des Harzes liefert insofern einen wertvollen Beitrag zur Kenntnis und zum Verständnis dieser Lebensräume in der Vergangenheit und heute und - unter dem Gesichtspunkt der Nationalparkentwicklung - in gewisser Weise auch für die Zukunft. Durch den Wegfall der innerdeutschen Grenze konnten die entwicklungsgeschichtlichen Untersuchungen von Beug u. a. auch auf die Moorkomplexe rund um den Brocken ausgedehnt werden, so daß nunmehr eine umfassende Bearbeitung der Landschaftsgeschichte beider Nationalparke und darüber hinaus vorliegt. Wir betrachten es als eine besonders glückliche Fügung, die es uns ermöglicht, dieses für die Schutz- und Renaturierungsbestrebungen der beiden Nationalparke wichtige Werk veröffentlichen zu können.

Udo Heß
1. Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Nationalparks Harz e.V.


1. EINLEITUNG

Wälder und Moore bestimmen das Bild der Landschaft in den Hochlagen des Harzes zwischen 700 und 1140 m NN, dem Hochharz. Mit der Untersuchung ihrer Entwicklung wird ein wesentlicher Teil der Landschaftsgeschichte dieses Gebietes erfaßt.

Als landschaftsgeschichtliche Archive dienen in erster Linie die Torflager der Moore, die sich mit Hilfe vegetationsgeschichtlich-pollenanalytischer Methoden entziffern lassen.

Der Harz zeichnet sich vor allen anderen zentraleuropäischen Mittelgebirgen durch seinen Reichtum an Mooren aus. In dem etwa 116 km2 großen Gebiet des Hochharzes liegen 54 Vermoorungen, deren waldfreie Flächen knapp 500 ha ausmachen. Hinzu kommen allein im Niedersächsischen Westharz noch 937 ha Torflager unter Fichtenwald.

Dieser Reichtum an Mooren hat frühzeitig wissenschaftliches und auch wirtschaftliches Interesse geweckt. Heute gibt es eine umfangreiche Literatur mit vegetationskundlichen, vegetationsgeschichtlichen, moorkundlichen und forstgeschichtlichen Beiträgen. Die ökonomische Bedeutung der Torflager (Brenntorf, Torfkoks, Düngetorf, Torf für Heilbäder) blieb gering.

In jüngerer Zeit hat sich der staatliche Naturschutz den Mooren des Harzes zugewandt. Die erste Naturschutzverordnung stammt aus dem Jahr 1954. Heute gehören die Moore des Hochharzes zu den Nationalparken der Länder Niedersachen und Sachsen-Anhalt.

Nur wenige Autoren haben sich mit der Frage befaßt, wie die heutigen Vermoorungen im Laufe der Jahrtausende entstanden sind, und niemand hat dieses Problem bisher eingehend behandelt, obwohl die Moore doch neben den Wäldern
in so auffälliger Weise das Landschaftsbild der Hochlagen im Harz bestimmen.

Die nunmehr abgeschlossenen Untersuchungen über die Entwicklung der Moore im Harz, deren Ergebnisse einen wesentlichen Teil dieses Buches ausmachen, wurden im Jahre 1967 begonnen. Damals sollte im Rahmen eines vom ersten Verfasser durchgeführten pollenanalytischen Praktikums für Studierende an der Universität Göttingen geklärt werden, ob Hangmoore wirklich hangaufwärts wachsen können. Dieses war von Jensen (1961) angenommen worden. Die Untersuchungen am Radauer Born bestätigten diese Annahme und zeigten außerdem, daß frühholozäne Vermoorungen hier auf viel größerer Fläche vorhanden waren, als man bisher angenommen hatte.

Ein zweiter Anstoß erfolgte im Jahre 1971, als der Bruchberg mit seinem Kammoor für einen alpinen Wintersport genutzt werden sollte. Das konnte mit Hinweis auf die internationale Bedeutung dieses Kammoores abgewendet werden, da das Gebiet ohne Zweifel durch Wintersportbetrieb und den Bau der dafür erforderlichen Einrichtungen zerstört worden wäre. Bei diesen Auseinandersetzungen zwischen Wissenschaftlern und Politikern wurde der Vorwurf erhoben, das Bruchbergmoor sei noch nie Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen gewesen und deswegen doch wohl von geringer wissenschaftlicher Bedeutung. Das führte dann in den folgenden Jahren zu sehr detaillierten Untersuchungen, bei denen unter anderem festgestellt wurde, daß auch hier frühholozäne Vermoorungen in einem beträchtlichen Maße vorhanden waren, und daß der Bruchberg zu den ältesten Moorgebieten des Hochharzes zählt.

Nach weiteren Vorarbeiten gewährte die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Jahre 1974 eine Sachbeihilfe zur Durchführung eines Projektes über die Entwicklung der Moore im Harz. Dabei sollten der Verlauf und die Ursachen der horizontalen Entwicklung der Moore, d.h. ihrer lateralen Ausdehnung, an ausgewählten Beispielen geklärt werden. Untersuchungen über das vertikale Wachstum der Moore mußten wegen des dafür erforderlichen enormen Arbeitsaufwandes weitgehend ausgeklammert werden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligte dann im Jahr 1995 eine weitere Sachbeihilfe zum Abschluß der Arbeiten an den Brockenmooren.

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen waren in den 70er Jahren Frau Dr. I. Henrion und Frau R.L. Huttunen. Frau Dr. Henrion untersuchte vier Sattelmoore, Frau Huttunen ein größeres Hangmoor nördlich des Oderteiches. Im Rahmen von Examensarbeiten wurden kleinere Hangmoore (Frau C. Lenk) und Hochmoor-Kolke untersucht (Frau Dr. A. Preidel). Eine Pilot-Studie über das Kammoor auf dem Bruchberg führte Herr H. Schulz durch. Einige kleinere bis mittelgroße Hangmoore wurden zunächst von Studierenden im Rahmen der alle zwei Jahre in Göttingen durchgeführten pollenanalytischen Praktika untersucht und später vom ersten Verfasser eingehend bearbeitet. Die Entwicklung des Bruchbergmoores und der heute überwiegend mit Fichtenwald bestandenen Torflager nördlich des Oderteiches wurden ebenfalls vom ersten Verfasser untersucht.

Wegen der Vielzahl der Vermoorungen und der Fülle neuer Erkenntnisse wurde das Projekt auch nach Abschluß der ersten Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft fortgesetzt. Ende der 80er Jahre sollte es mit einem gut datierten Standardpollendiagramm vom Bruchbergmoor abgeschlossen werden (Bartens 1990). Durch die politischen Ereignisse in der ehemaligen DDR rückte dann jedoch die Möglichkeit einer Einbeziehung der in 1000-1100 m Höhe liegenden Moore am Brocken in greifbare Nähe. Mit ihrer Untersuchung wurde 1990 begonnen (A. Brinkmann, A. Klie und H.-J. Beug). Wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Untersuchung der Brockenmoore und des Brockenfeldmoores war in dieser Zeit Frau Dipl.-Biol. A. Schmüser geb. Brinkmann im Rahmen der zweiten Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Die Projektleitung und Textabfassung lag in den Händen des ersten Verfassers. Im Jahr 1993 wurde mit der Zusammenfassung und Auswertung der in mehr als 25 Jahren gewonnenen Ergebnisse begonnen. Dabei mußten in den Mooren, die bisher nur im Rahmen von studentischen Praktika untersucht worden waren, noch viele ergänzende Geländearbeiten und pollenanalytische Untersuchungen durchgeführt werden. Außerdem war es erforderlich, auch die beiden bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht näher untersuchten großen Moore, nämlich das Sonnenberger Moor und das Brockenfeldmoor in die Arbeiten einzubeziehen. Ein weiteres Ziel war schließlich die Überprüfung der Beziehungen zwischen Bergbau und Waldveränderungen mit Hilfe von absoluten Datierungen. Gleichzeitig wurde die Darstellung der Vegetationsgeschichte auf den neuesten Stand gebracht. Die
letzte Zusammenfassung liegt bereits 35 Jahre zurück.

Nach Abschluß der Arbeiten möchten wir allen beteiligten Kollegen, Mitarbeitern, Freunden, Institutionen und Behörden unseren Dank abstatten. Wissenschaftliche Beiträge haben geliefert Herr Dipl.-Biol. Helmut Bartens, Frau Dipl.-Biol. Anneke Schmüser geb. Brinkmann, Frau Raija Liisa Huttunen, Frau Studienrätin Annette Klie, Frau Studienrätin Claudia Lenk, Frau Dr. Annekathrin Preidel, Herr Studienrat Helmut Schulz und Herr Dipl.-Biol.Michael Wille. Herr Prof. Dr. Karl-Ernst Behre (Wilhelmshaven) hat stets als Dozent bei den pollenanalytischen Praktika mitgewirkt. Bei den Geländearbeiten haben außer den bereits Genannten zahlreiche andere Mitarbeiter des Instituts für Palynologie und Quartärwissenschaften der Universität Göttingen mitgewirkt, von denen besonders Herr Prof. Dr. Eberhard Grüger und Frau Ursula Grothmann genannt werden sollen. Frau Grothmann hat außerdem den größten Teil der Laborarbeiten durchgeführt und die Zeichnungen in unermüdlicher Arbeit angefertigt. Die umfangreichen Geländearbeiten auf dem Bruchbergmoor wären ohne die ausdauernde Hilfe meiner Frau Erika Beug und meines Sohnes Dr. Jochen Beug nicht möglich gewesen. Wesentliche Voraussetzungen für die Durchführung des Projektes war die Gewährung von zwei Sachbeihilfen durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Die Bezirksregierung Braunschweig, der seinerzeitige Rat des Bezirkes Magdeburg und die Nationalparkverwaltungen Harz und Hochharz haben Genehmigungen zur Durchführung wissenschaftlicher Untersuchungen in Naturschutzgebieten und in den Nationalparken erteilt.


Textausschnitt

20. Die Ursachen der Moorentwicklung

20.1 Klima

Sieben von 36 Mooren begannen mit ihrem Wachstum in der Endphase der Jüngeren Tundrenzeit, 14 weitere folgten im Präboreal und weitere 7 in der frühen Wärmezeit (Tab. 19.3; Abb. 19.2). 80% der untersuchten Moore begannen somit vor dem Ende der frühen Wärmezeit mit ihrem Wachstum. Die schnelle Folge, mit der dieser Vorgang eingeleitet wurde, geht ohne Zweifel auf den Klimawechsel an der Wende vom Pleistozän zum Holozän zurück. Das kalt-trockene Klima der Späteiszeit, insbesondere das ihres letzten stadialen Abschnittes, der Jüngeren Tundrenzeit, machte damals endgültig dem warm-feuchten holozänen Klima Platz. Hohe Niederschläge und Temperaturen und eine längere Vegetationsperiode ermöglichten nunmehr ein ergiebiges Moorwachstum.

Für einen großen Überblick über die mögliche klimatische Beeinflussung oder Steuerung des Klimas im weiteren Verlauf des Holozäns gibt der horizontale Zuwachs der Vermoorungen, ausgedrückt in Hektar vermoorter Fläche pro 100 Jahren, für die insgesamt untersuchte Fläche vermutlich den sichersten Aufschluß. Einzelne Moore sind in ihrem Verhalten stark von der lokalen hydrographischen und topographischen Situation geprägt. Darauf wird in dem Kapitel 20.2 näher eingegangen.

Die in Abb. 19.3 dargestellten Werte für den Zuwachs vermoorter Flächen in den Zonen III-Xb zeigen mit Ausnahme der Zonen VII und VIIIb verhältnismäßig ausgeglichene Werte, die sich zwischen 3,61 und 7,26 um einen Mittelwert von 5,7 ha pro 100 Jahren bewegen. Oberhalb dieses Bereiches liegen die Werte für die Zone VII mit 9,48 ha/100 a und vor allem für die Zone VIIIb mit 20,69 ha/100 a. Die geringsten Werte wurden mit 3,61 ha pro 100 Jahren für die Zone V festgestellt.

Da sich aber die meisten Moore des Hochharzes nach Ende der Zone VIIIb nur noch relativ wenig horizontal ausgedehnt haben, werden ergänzend die Ergebnisse für den vertikalen Zuwachs herangezogen (Abb. 19.6). Am besten dürften die Profile mit einer größeren Torfmächtigkeit geeignet sein (7 Moore; Abb. 19.6 oben rechts). Dabei ist zu beachten, daß die hohen Zuwachsraten in der Zone III durch minerogene Anteile in den Torfen, und der geringe Zuwachs in den Zonen IV und V durch die starke Zersetzung der im unteren Teil der Torflager liegenden Niedermoortorfe sowie durch Kompaktierung bedingt sein dürften.
Die mittleren Torfzuwachsraten in den Zonen VI, VIIIa und IXa liegen zwischen 5,7 und 7,2 cm/100 a. Deutlich höher liegen die Werte für die Zonen VII (11,6 cm/100 a), VIIIb (8,7 cm/100 a) und besonders für die Zone IXb (17,9 cm/100 a). Das gilt auch für die Zuwachswerte in den Zonen Xa und Xb. Zu beachten ist, daß mit Mittelwerten gerechnet wird, und daß einzelne Moore abweichende Werte zeigen (Tab. 19.6, 25.9 und 25.10).

Betrachtet man die Verhältnisse in Höhen über 1000 m NN, so gab es einen ganz erheblichen Zuwachs in der Zone VII und ab der Zone IXb. In der Zone VIIIb ist hier keine Steigerung zu erkennen. Im Hinblick auf die Zonen VII und VIIIb stimmen die Ergebnisse für den horizontalen Flächenzuwachs und den vertikalen Torfzuwachs überein. Gesteigerte Werte liefern außerdem die Zonen IXb und möglicherweise auch die Zone X (besonders Xb). Ausgeschlossen von einem gesteigerten Moorwachstum und Torfzuwachs sind im Subboreal und Subatlantikum die Pollenzonen VIIIa und IXa. Allerdings stehen nur Werte von zwei Mooren zur Verfügung. Abweichungen gegenüber Werten aus tiefer liegenden Mooren erlauben daher keine allgemeinen Aussagen über das Verhalten hochgelegener Moore.

Zusammenfassend kann man feststellen, daß nach dem Beginn der Vermoorungsvorgänge im frühen Holozän das Klima im Hochharz das Moorwachstum ständig begünstigte, so daß Vermoorungen und Torfwachstum in einem lang andauernden Prozeß ihren Lauf nehmen konnten. Es gibt keine Anzeichen dafür, daß das Moorwachstum zeitweise etwa durch zu große Trockenheit oder Kälte deutlich eingeschränkt gewesen wäre. Es gab nur Zeiten, in denen das Klima das Moorwachstum durch erhöhte Humidität begünstigte. Das war in dem Jüngeren Atlantikum, dem Jüngeren Subboreal und dem Jüngeren Subatlantikum ab etwa 540 AD und hier besonders in der Zeit von etwa 500 bis 900 AD und von 1500 AD bis heute der Fall. Für das Moorwachstum bestanden im Hochharz somit ständig günstige und zeitweise sogar herausragend gute Bedingungen.

Als Ausnahme könnte die Zone V angesehen werden, für die die Zuwachsrate nur 3,61 ha/100a beträgt. Deswegen wurde versucht, für die Zonen Va und Vb getrennte Zuwachsraten zu bestimmen. Dazu wurden Berechnungen für alle größeren Moore des Hochharzes durchgeführt, deren Zuwachs in der Zone V insgesamt 64 ha beträgt. Für die 680 Jahre andauernde Zone Va liegt die Zuwachsrate 5,5 ha/100a, d.h. bei einem Wert, der im Rahmen der Zonen IV, VI und VIIIa liegt. Für die 1230 Jahre andauernde Zone Vb beträgt die Zuwachsrate dagegen nur 2,3 ha/100. Auch die Werte für die einzelnen Moore zeigen deutlich höhere Zuwachsraten in der Zone Va als in der Zone Vb. Wenn somit in einem Abschnitt des Holozäns das horizontale Moorwachstum durch herabgesetzte Humidität langsamer ablief als sonst, dann käme die Zone Vb, d.h. der Zeitraum von 7800-6570 cal. BC dafür in Frage.

Vergleichbare Daten zur holozänen Klimageschichte existieren nicht für den Mittelgebirgsraum, wohl aber für die Alpen. Dort ist die zeitliche Auflösung allerdings deutlich besser als im Harz, wo Klimaänderungen mit den vorliegenden Daten nur von Pollenzone zu Pollenzone und nicht mit Hilfe hochauflösender Pollendiagramme beurteilt werden können.

Die wesentlich auf Zoller (1960), Zoller et al. (1966) und Patzelt und Bortenschlager (1982) zurückgehende, in der Folgezeit von diesen und anderen Autoren (z.B. Bortenschlager 1982; Burga 1987) vielfach wiederholte und dabei geringfügig modifizierte Darstellung der holozänen Klimaschwankungen fußt auf vegetationsgeschichtlichen Untersuchungen und auf Datierungen von Gletscherständen. Die frühholozänen kalten Phasen der Alpen finden offenbar kein erkennbares Gegenstück bei dem Ablauf der horizontalen Vermoorung und dem Torfzuwachs im Harz. So sind die präboreale Piottino-Kaltphase und die Misoxer Kaltphasen im Älteren Atlantikum im Vermoorungsgeschehen des Harzes nicht erkennbar. In die Pollenzone VII des Harzes mit ihrem auf erhöhte Humidität zurückgeführten starken Moorwachstum fallen in den Alpen die Piora Kaltphasen der Westalpen bzw. die Rootmoos-Kaltphasen der Ostalpen. Aus dem älteren Subboreal (Zone VIIIa) kennt man in den Alpen keine Kaltphase. Das entspricht dem festgestellten normalen Fortschritt der Vermoorungen im Harz. Die Zunahme der Vermoorungen im Harz in der Zone VIIIb findet dann in den Alpen in der Löbben-Kaltphase ihr Gegenstück. Göschenen 1 hat im Harz wiederum kein entsprechendes Ereignis. Göschenen 2 könnte dem angehobenen vertikalen Torfzuwachs in der Zone IXb entsprechen. Die kleine Eiszeit bewirkte möglicherweise die Zunahme des Torfzuwachses in der Zone Xb.
Gewisse Unklarheiten bleiben bei der Beurteilung der Zuwachsleistungen in der Pollenzone V und ihrer Beziehungen zur Klimaentwicklung bestehen. In den Alpen wird die Venediger-Kaltphase in diesen Zeitraum gestellt. Nach der zusammenfassenden Darstellung von Burga (1979) fallen in den Zeitraum von 8500-7200 BP die Venediger-Schwankung und eine Schwamser-Schwankung. Dieser Zeitraum umfaßt im Harz vorwiegend die Pollenzone Va, die auf 8480-7800 BP datiert wird. Die Zone Va zeichnet sich aber durch mittlere, nicht aungehobene Beträge des horizontalen Moorwachstums aus, die Zone Vb durch reduzierte Beträge. Eine Steigerung durch ein stärker humides Klima ist für die Zone Va nicht erkennbar. Eine klimatisch bedingte Raduzierung des Moorwachstums im jüngeren Teil des Boreals - für den ein Nachweis von Klimaschwankungen in den Alpen offenbar auch fehlt oder nicht gesichert ist - bleibt offen und sogar ungewiß, zumal sich aus dem vertikalen Zuwachs in dieser Zeit keine Anzeichen für eine Einschränkung des Moorwachstums ableiten lassen.
Es sei abschließend bemerkt, daß eine genaue Übereinstimmung zwischen den Daten aus dem Harz und den Alpen nicht erwartet werden kann. Auf die unterschiedliche zeitliche Auflösung wurde schon hingewiesen. Auch ist zu bedenken, daß die Zonen VII, VIIIb, IXb und Xb mit ihren überdurchschnittlich hohen horizontalen und/oder vertikalen Zuwachsraten im übrigen relativ kurz waren. Kalte Phasen in diesen Zeiten nahmen daher einen relativ großen zeitlichen Anteil an diesen Pollenzonen. Die Zonen IV-VI und VIIIa dauerten viel länger an, nahmen also einen viel größeren Zeitraum ein als die ihnen zugewiesenen Kaltphasen. Da die zeitliche Auflösung bei den Vermoorungsvorgängen nur in Pollenzonen ausgedrückt werden kann, verschwinden in den länger andauernden Zonen eventuelle kurzzeitig erfolgende Phasen mit hohen Vermoorungsgeschwindigkeiten (Kaltphasen) hinter den Mittelwerten, während sie in den kurzen Pollenzonen sichtbar werden.

Schließlich muß auch bedacht werden, daß die Reaktionszeit auf eine holozäne Klimaveränderung bei einer Waldvegetation anders gewesen sein kann als bei den dem Moorwachstum zugrunde liegenden Prozessen.

20.2 Untergrundformen

Kleinformen des Untergrundes haben bis in das Jüngere Subboreal immer wieder Anlaß zur Bildung von Moorkernen gegeben und damit den Verlauf der Vermoorung beeinflußt. Dabei haben die im Hochharz seltenen Plateaulagen (z.B. das schmale Kammplateau des Bruchbergmoores) keine besondere Rolle gespielt. Sieht man von der besonderen Situation bachorientierter Moorkerne ab, so waren es kleinflächige Bereiche der Hänge mit hinreichend staunassen Böden, auf denen sich Moorkerne bilden konnten. Hanglagen besitzen im Gegensatz zu Plateaulagen ein Einzugsgebiet, aus dem sie mit Hangwasser versorgt werden. Hangorientierte Moorkerne entstanden vornehmlich dort, wo sich im Hang kleinflächig die Reliefenergie verringerte. Das war an kleinen Verebnungen oder an Hangdellen der Fall. Das abfließende oder hinabsickernde Hangwasser verlangsamte hier wegen der Verringerung der Hangneigung seine Abflußgeschwindigkeit und durchnäßte daher die Verebnungen bzw. Hangdellen stärker und vor allem länger als in der Umgebung. Auch kleinere oder größere Rinnen im Hang gaben Anlaß zur Moorkernbildung. Daneben ergeben die Vermessungen, daß auch Hänge mit einem erheblichen Gefälle vermooren können. Die Gründe dafür sind kaum nachträglich zu ermitteln. Möglicherweise handelt es sich um Hänge mit einem ständigen und beträchtlichen Aufkommen von Sickerwasser. Neigungen der Mooroberfläche (außerhalb der Randgehänge) von 10-15% sind nicht selten und wurden u.a. am Bruchbergmoor festgestellt. Das bisher höchste Gefälle einer wachsenden Mooroberfläche wurde mit 19,5% auf der N Flanke des Kammoores an den Rabenklippen gemessen (Schmüser 1998).

20.3 Hydrographie

Zwischen der Hydrographie und der Entstehung der Moore bestehen im Hochharz vielfältige Beziehungen. Die Mehrzahl der Moorkerne entstand am Ufer oder doch in der Nähe von Bachläufen. Bachläufe schufen sicherer als anderswo mit ihrer ständigen Durchfeuchtung des Untergrundes die notwendige Voraussetzung zur Bildung von Moorkernen. Notwendig ist dabei offensichtlich ein flacher oder nur wenig geneigter Uferstreifen. Moorkerne liegen daher häufiger an den obersten Abschnitten der Bachläufe, wo diese noch kaum in den Untergrund einschneiden. Das konnte besonders am Bruchbergmooor deutlich gemacht werden. Dort häufen sich Moorkerne und älteste Hangmoorbildungen im obersten Einzugsgebiet der Oker, Sieber und Sonnenkappe in auffälliger Weise. In vergleichbarer Weise dürften die Sattelmoore ihren Ursprung genommen haben: Das von der Sattelhöhe abfließende Wasser durchfeuchtete den obersten Teil der Sattelflanken vermutlich flächenhaft, bevor es zur Bildung eines Bachlaufes kam, und hier entstanden die Moorkerne. Wegen der Nähe der Moorkerne zur Sattelhöhe wurden die Sattelhöhen dann relativ schnell von den Vermoorungen erfaßt.

Quellmoore im üblichen Sinn (Vermoorung um einen Quellaustritt herum) scheint es im Harz nicht zu geben. Quellen trifft man zwar in den vermoorten Flächen gelegentlich an (Sonnenberger Moor, westlicher Bruchberghang, Flörichshaier Moor), aber sie waren hier nicht Ausgangspunkt der Vermoorungen. Auch Moornamen wie Eckersprungmoor und Odersprungmoor sind in dieser Hinsicht irreführend. So liegt die Eckerquelle außerhalb des Eckersprungmoores, und der Oberlauf der Oder wurde erst relativ spät in die Vermoorungen einbezogen.
Ein Teil der Hydrographie im Hochharz ist auch die innere Entwässerung der Moore. Sie läßt sich nicht immer von dem abgrenzen, was hier im Zusammenhang mit einer allgemeinen Hydrographie dargestellt wurde. Beispielsweise wurden Bachläufe, die zunächst ohne Kontakt zu Mooren verliefen, im Laufe der Zeit überwachsen und damit in die innere Entwässerung eines Moores einbezogen. Im wesentlichen ist aber die innere Entwässerung mehr mit Erscheinungen verbunden, die das Moorwachstum hemmen als fördern.

Die innere Entwässerung läß sich auch nicht von den Aspekten der Hangwasserversorgung der Moore trennen. In einem frühen Stadium der Moorentwicklung dürfte das abfließende Hangwasser im allgemeinen alle Teile des Moores erreicht und sein weiteres Wachstum gleichmäßig gefördert haben. Mit zunehmender Mächtigkeit der Torfdecken kann dann ein Moor für das Hangwasser ein Hindernis geworden sein, das umflossen werden mußte. Hanguntere Teile der Vermoorung, die zunächst noch gut versorgt wurden, können dadurch auf die Leeseite der Hangwasserversorgung geraten und ihre Wuchsleistung dann u.U. stark reduziert haben. So findet man heute oft basale Torfe aus den Pollenzonen IV oder V, die in Tiefen von weniger als 100 oder 50 cm liegen.

Rüllen, Erosionsschlenken und unterirdische Bäche mit Trichterbildungen wirkten somit nicht fördernd, sondern hemmend auf das Moorwachstum, jedenfalls auf das vertikale Moorwachstum. Es wird meist angenommen, daß unterirdische Bäche zunächst außerhalb der Vermoorungen lagen und im Laufe der Zeit vom Moor überwachsen worden sind. Es gibt aber auch Fälle, bei denen ein unterirdischer Bachlauf mit einem Schluckloch beginnt, in dessen Umgebung die Mooroberfläche dadurch wirksam entwässert wird. Das ist z.B. auf dem Bruchbergmoor der Fall. Ein solcher Bachlauf könnte auch erst nach der Vermoorung entstanden sein. Die Kammhöhe des Bruchberges vermoorte erst spät, und größere Wasserüberschüsse nach Starkregen und Schneeschmelze dürften sich hier gestaut haben, als die Hänge bereits vermoort waren (vgl. Kap. 10). Das mag schließlich zu einer unterirdischen Ableitung unter Bildung neuer Bachläufe unter der Torfdecke mit einem Schluckloch am Beginn des Bachlaufes geführt haben. Für eine solche Annahme spricht auch die Beobachtung, daß Bachrüllen, die nicht bis auf den mineralischen Untergrund einschneiden (Sieberrülle im Bruchbergmoor, Oderrülle im Odersprungmoor) an ihrer Basis kein Wasser führen. Das Wasser fließt hier vielmehr unsichtbar unterhalb der Rüllenbasis zwischen Torflager und mineralischem Untergrund ab.

20.4 Böden

Ein Einfluß der Böden auf die Vermoorung kann im wesentlichen nur im Zusammenhang mit der großen Zeitspanne festgestellt werden, in der Moorkerne entstanden. Wenn die Moorkernbildung allein auf das Einsetzen holozäner Klimabedingungen zurückzuführen wäre, dann müßte sie schon früh im Holozän, d.h. im Präboreal oder Boreal, abgeschlossen gewesen sein. Stattdessen dauerte die Bildung neuer Moorkerne aber bis zur Pollenzone VIIIb an und erstreckte sich somit über einen Zeitraum von mindestens 8000 (kalendrischen) Jahren. In dieser Zeit müssen ständig Vorgänge abgelaufen sein, die im jeweils unvermoorten Terrain zu Staunässebildungen und folgender Vermoorung führten. Das erfolgte vermutlich an den Hängen durch Verlagerung von Feinmaterial und dort zur Bodenverdichtung, wo das Feinmaterial akkumulierte. Solche Bodenverdichtungen bewirkten dann an geeigneten Stellen immer wieder Staunässe mit nachfolgender Vermoorung.
 

20.5 Der Gesamtprozeß

Ausgelöst durch den Übergang vom kalt-trockenen Klima der Späteiszeit zu warm-feuchten Klimaverhältnissen des Holozäns konnten in rascher Folge Moorkerne an Bachläufen und an staunassen Hangpartien entstehen. Das Heranwachsen der Moorkerne zu kleinen, an Größe zunehmenden Hangmooren ging auf zwei Prozesse zurück. Einerseits übten die Ränder der wasserspeichernden Moore einen vernässenden Einfluß auf ihre unmittelbar benachberate, noch unvermoorte Umgebung aus. Andererseits bewirkte das abfließende Hangwasser an den hangoberen Rändern der Moore eine besonders starke Vernässung, da es sich hier vor dem aufwachsenden Torflager staute. Beeinflußt wurde die Geschwindigkeit der Vermoorung durch die Hangneigung und das Kleinrelief des Untergrundes. Auch die Entfernung zwischen den Moorkernen sowie das im einzelnen unterschiedliche Feuchtigkeitsangebot durch Hangwasser dürften eine Rolle gespielt haben. In einem längere Zeit andauernden Prozeß entstanden neue Moorkerne durch Bodenverdichtung, die auf Verlagerung (Abspülung) von feinem Bodenmaterial zurückging. Dieser Prozeß lief nur bis zum Ende des Subboreals ab, da spätestens zu diesem Zeitpunkt die Moore im wesentlichen ihre durch die Topographie vorgegebenen (heutigen) Grenzen erreicht hatten. Die danach noch andauernden Vermoorungsvorgänge erfolgten nur durch lateralen Zuwachs.
Eine Eigenverstärkung der Versumpfung, wie sie von Frenzel (1983) diskutiert wird, hat im Harz nicht stattgefunden. Das Feuchtigkeitspotential der vermoorten Flächen hat bei gleichbleibender oder annähernd gleichbleibender Humidität lediglich die Geschwindigkeit der Vermoorungsvorgänge aufrecht erhalten. Es gab aber auch Vorgänge bei der Moorentwicklung, durch die die Geschwindigkeit der Vermoorungen herabgesetzt wurde. So kann im Verlauf der Vermoorungen die Versorgung mit Hangwasser eingeschränkt worden sein, indem das Hangwassereinzugsgebiet selber vermoorte oder indem das aufwachsende, an Mächtigkeit zunehmende Torflager den Strom des Hangwassers verlagerte.
Der von dem großklimatischen Wechsel ausgelöste und dann fortschreitende Prozeß der Vermoorung wurde somit in seinem Verlauf von den lokalen topographischen Verhältnissen des Gebirges gesteuert und schließlich beendet. Die Niederschlagsmengen waren offensichtlich für den Fortgang der Vermoorung immer ausreichend und zu keiner Zeit zu gering, um die Vermoorungsvorgänge deutlich feststellbar aufrecht zu erhalten. Merklich gefördert wurde das Moorwachstum in Zeiten geringerer Temperaturen (erhöhte Humidität infolge herabgesetzter Verdunstung). Das war im Jüngeren Atlantikum und im Jüngeren Subboreal der Fall.

Die mittelalterlichen und neuzeitlichen Entwaldungen haben den Vorgang der Vermoorung nicht wieder aufleben lassen, obwohl in solchen Zeiten ein zunehmender Wasserüberschuß in den Böden entstanden sein muß (Fortfall des Wasserverlustes durch die Transpiration der Bäume). Das unterscheidet die Harzmoore offensichtlich von den Deckenmooren (blanket bogs) im atlantischen West-Europa. Als weiteres, besonders wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist zu nennen, daß im Harz die horizontale Ausbreitung der Moore durch topographische Faktoren eingeschränkt wurde.

Im Rückblick soll auf die Darstellung von Willutzki (1962) eingegangen werden. Willutzki hatte damals alle verfügbaren pollenanalytisch untersuchten Profile des Hochharzes zusammengestellt und aus ihnen insgesamt 5 Versumpfungsphasen abgeleitet. Seine Versumpfungsphasen datieren (1) in das Ende der Zone III, (2) in die Zone VI, (3) in die Wende VIIIa/VIIIb, (4) in die Wende VIIIb/IXa und (5) auf die Zeit 1500/1500 n.Chr. Besonders wirksam seien die dritte und fünfte Versumpfungsphase gewesen. Sicherlich war das damals vorhandene Datenmaterial nicht ausreichend, und kein Moor war systematisch untersucht worden. Die erste und dritte Versumpfungsperiode ist richtig erkannt worden. Die anderen Versumpfungsphasen konnten nicht bestätigt werden.
 

22. Die Moore und Wälder des Hochharzes: Naturschutz und Forschung

Die Moore des Hochharzes wurden unter staatlichen Schutz gestellt, um sie als besonders empfindliche Elemente der dortigen Landschaft in ihrem gegenwärtigen Zustand zu erhalten. Dazu bedurfte es zunächst kaum wissenschaftlicher Begründungen, weil im Gegensatz zu anderen Mittelgebirgen unzerstörte und gutwüchsige Moore verschiedener Ausprägung hier in großer Zahl vorhanden sind. Wissenschaftliche Untersuchungen über die Eigenart der verschiedenen im Harz vertretenen Moortypen, über ihre Pflanzendecke und ihre standörtlichen Ansprüche haben dennoch maßgeblich dazu beigetragen, den Schutz der gegen äußere Einflüsse sensiblen Moorgebiete im Harz zu begründen und zu festigen. Mit den Mooren wurden auch große Teile der Wälder des Hochharzes zunächst in die Naturschutzgebiete, dann in die Nationalparke einbezogen.

Die Moore und Wälder des Harzes haben sich in den seit dem Ende der letzten Eiszeit vergangenen 10 000 Jahren zu dem entwickelt, was sie heute darstellen. Man kann es dem heutigen Zustand der Wälder und Moore aber nicht ansehen, welche Etappen ihre Entwicklung durchlaufen hat, wie lange sie bereits in dem heutigen Zustand verharren und wie hoch der Einfluß der Menschen zu veranschlagen ist. Für viele Fragen der Beurteilung von Biotopen ist die Kenntnise ihrer Entwicklungsgeschichte erwünscht und erforderlich. Wissenschaftliche Untersuchungen an Naturschutzgebieten und Nationalparken müssen daher durchgeführt werden, um solche Fragen zu beantworten. Sie führen zu einem besseren Verständnis für das, was man unter Schutz gestellt hat. Am Beispiel der Entwicklung der Wälder und Moore wird exemplarisch durch die vorliegende Arbeit deutlich gemacht, welche komplizierten und bisher unbekannten Vorgänge in der Landschaftsgeschichte des Hochharzes vom Ende der letzten Eiszeit bis heute abgelaufen sind und was ihre Ursachen waren. Die gewonnenen Erkenntnisse geben darüber hinaus Hinweise für die Pflege der Moor und Wälder und Vorstellungen über die weitere Entwicklung dieser Biotope in der Zukunft.


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