Slawen an der unteren Mittelelbe

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Abschluss der Ausgrabungen am Höhbeck 2009

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Zum Abschluss der Geländearbeiten wurden in einer dreieinhalbwöchigen Grabungskampagne etwa 100 m2 auf zwei Fundplätzen untersucht. Vietze 63 war eine bekannte slawische Siedlung, hier ging es um konkrete Einzelfragestellungen, der Fundplatz Restorf 36 war bislang nur durch Oberflächenfunde bekannt, hier sollte die Befunderhaltung geklärt werden.

Abb 1
Abb. 1: Blick über Vietze Fpl. 63 am Niederungsrand zur Elbe.

Der Rahmen schließt sich. In der zweiten Augusthälfte und der ersten Septemberhälfte wurde in Vietze 63, wo im Juni 2005 auch die ersten Grabungen des Projektes stattgefunden hatten, ein weiterer Schnitt geöffnet. Zusätzlich wurden drei Sondagen gemacht, um gezielt weitere Anomalien im Magnetplan zu untersuchen. Ziel war es, neben der Charakterisierung der Magnetanomalien, die hier gut erhaltene Kulturschicht detailliert zu schlämmen, um auch Kleinstfunde zu bergen.

Abb 2
Abb. 2: Die gesamte slawische Kulturschicht wurde geschlämmt, wobei mehrere Perlen geborgen werden konnten.

Seit den ersten Ausgrabungen 2005 sind auf diesem Platz dank der engen Zusammenarbeit mit der Detektorgruppe Schleswig-Holstein einige herausragende Funde gemacht worden, die hier für eine Handelssiedlung sprechen. Insbesondere Münzen und Gewichte sprechen dafür, aber auch der Fund einer Heiligenfibel stellt etwas Besonderes dar. In diesem Jahr konnten weitere Münzen des 11. Jahrhunderts geborgen werden sowie aus der Kulturschicht mehrere Glasperlen unterschiedlicher Farbe und eine Karneolperle. Das Befundspektrum umfasste mittel- und spätslawische Siedlungsgruben, die keine besondere Funktion erkennen ließen.

Abb 3
Abb. 3: Vietze Fpl. 63. Die ganze Grabungsmannschaft im Einsatz.


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Abb. 4: Grabungsarbeiten in Vietze Fpl. 63.

Der herausragendste Befund gehörte der frühen römischen Kaiserzeit an. Es handelt sich hier um eine fast einen Meter tiefe Opfergrube, in der das Geweih eines ausgewachsenen Rothirsches niedergelegt worden war. Danach wurde die Grube mit Steinen zugesetzt und zuletzt mit zerscherbten Gefäßen verschlossen. Opfergruben, in denen Tierknochen gefunden werden, sind im keltisch-römisch-germanischen Kontext nicht unbekannt, doch bislang ist dieser einzigartige Befund ohne direkte Parallelen. Die Sondagen ergaben, dass wohl die große Mehrheit der erkennbaren Magnetanomalien auf kaiserzeitliche Befunde wie Öfen oder Herdstellen zurückzuführen ist. Es kann also davon ausgegangen werden, dass lange vor der räumlich relativ begrenzten slawischen Siedlung an dieser Stelle eine ausgedehnte germanische Siedlung bestanden hat.

Abb 5
Abb. 5: Das „Highlight“ der diesjährigen Grabung: eine germanische Opfergrube, in der das schädelechte Geweih eines 18-Enders niedergelegt wurde.

Von dem Fundplatz Restorf 36 am östlichen Fuß des Höhbeck waren bislang nur Oberflächenfunde bekannt, darunter auch slawische. Aus diesem Grund wurde hier parallel zu den Unternehmungen in Vietze eine Sondage von nur 14 m2 geöffnet. Sie erfüllte ihren Zweck. Es fanden sich nur noch Reste einer slawischen Kulturschicht, doch auch zwei dazugehörige Befunde. Sie weisen die Siedlung in die spätslawische Zeit, die Oberflächenfunde gehören ebenfalls mehrheitlich in diese Zeit. Darüberhinaus konnten zwei stark ausgewaschene Gruben dokumentiert werden, die dem Fundmaterial nach an den Übergang vom Spätneolithikum zur Frühbronzezeit gehören. Auch aus dieser Zeit waren bereits etliche Funde von der Oberfläche geborgen worden. Es scheinen dies die beiden Hauptbesiedlungsphasen auf diesem Fundplatz gewesen zu sein.
Für die engagierte Mitarbeit danke ich den Studenten und Helfern: Alina Beyer, Julia Dirks, Martin Dreesen, Dorothea Feiner, Irene Feiner, Johannes Schmidt, Jana Woyzek. Desgleichen sei an dieser Stelle allen jenen “Wendländern“ gedankt, die – nicht nur in diesem Jahr – stets mit Interesse und Neugier unser Tun verfolgt haben und uns in vielfältiger Weise Hilfe und Unterstützung zuteil haben werden lassen.

Jens Schneeweiß
Fotos: Jens Schneeweiß
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 29. September 2009 um 08:06 Uhr