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Ausgrabungen am Höhbeck-Kastell und an der Schwedenschanze

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In Ergänzung zum durch die DFG geförderten Projekt führte das Seminar für Ur- und Frühgeschichte mit Unterstützung der Samtgemeinde Gartow und der Gemeinde Höhbeck Ausgrabungen an den beiden Höhenbefestigungen auf dem Höhbeck durch. Dadurch gelang es, die beiden Anlagen sicher zu datieren und den lange schon ausstehenden Nachweis zu erbringen, dass die Vietzer Schanze tatsächlich mit dem in den Schriftquellen erwähnten „castellum hohbuoki“ Karls des Großen identisch ist.
Parallel zu den Ausgrabungen des Projektes wurde zunächst auf der Vietzer Schanze ein Grabungsschnitt durch den Westwall angelegt. Er zeigte hervorragend den Aufbau der Befestigung mit Wall und Graben. Horizontal in den Wall eingezogene Hölzer hatten ihm einst die notwendige Stabilität verliehen. Es war offensichtlich, dass keine ältere Anlage genutzt worden war und der Wall, wenigstens an dieser Stelle, einphasig war.

Abb 1
Abb. 1: Schnitt durch den Westwall und Graben des Höhbeck-Kastells.


Abb 2
Abb. 2: Teilweise wiedergeöffneter Wallschnitt von 1964. Im Hintergrund der neue Schnitt durch den Westwall.

Die Ausgrabungen waren mit dem Ziel unternommen worden, Material für eine naturwissenschaftliche Datierung der Befestigung zu gewinnen, denn aus älteren Grabungen war bekannt, dass sich hier verkohlte Balken erhalten hatten. Davon fehlte jedoch in dem Schnitt jede Spur. Erst im wiedergeöffneten Grabungsschnitt von 1964 wurden verkohlte Balken gefunden, die sich sogar dendrochronologisch datieren ließen: nach den Ergebnissen von Dr. K.-U. Heußner (Dendrolabor des DAI) wurden die Bäume in den Jahren 805, 809 und 810 gefällt. Das „castellum hohbuoki“ wird in den Fränkischen Annalen in den Jahren 810 und 811 namentlich erwähnt. Es kann nun also kein Zweifel mehr daran bestehen, dass die Vietzer Schanze tatsächlich das Kastell Karls des Großen ist.

abb 3
Abb. 3: Beim Öffnen des alten Schnitts trat gleich Holzkohle zu Tage (Foto: J. Ruppel).


Abb 4
Abb. 4: Sondage im Grabungsschnitt von E. Sprockhoff von 1964. Deutlich zu erkennen sind die alten Schnittgrenzen und die verkohlten Hölzer.


Abb 5
Abb. 5: Verkohlte Balkenlagen im Westwall des Höhbeck-Kastells.


Abb 6
Abb. 6: Blick von der Vietzer Schanze über die Elbe nach Brandenburg (Foto: J. Ruppel).

Im Zusammenhang mit den Untersuchungen auf der Vietzer Schanze sind noch zwei Kuriosa erwähnenswert. In der Nordostecke des Kastellplatzes kann man den malerischen Ausblick über die Elbe genießen und an einem rustikalen Tisch mit zwei Bänken Rast halten. Bei einer solchen Rast entdeckten wir in einem Spalt im Tisch eine griechische Bronzemünze aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert. Es ist klar, dass selbst der Baum, aus dem der Tisch angefertigt wurde, um Jahrhunderte jünger ist als diese Münze. Ein Rätsel, dessen Erklärung wohl nur derjenige liefern kann, der diese Münze dort ‚verloren’ hat.

Abb 7
Abb. 7: Rustikaler Holztisch, in dessen Spalt die antike Münze gefunden wurde (Foto: J. Ruppel).


Abb 8
Abb. 8: Griechische Bronzemünze aus dem 1. Jh. v. Chr. Fundort: Holztisch auf dem Höhbeck-Kastell (Foto: H. Marx).

Einen Zusammenhang zur jüngeren Geschichte stellte der Fund der Waffenausrüstung eines Angehörigen der Wehrmacht her, auf den wir stießen, als wir den Wallschnitt anlegten. Direkt unter der Wallkrone hatte jemand seine Ausrüstung, bestehend aus drei Pistolen, einem Gewehr, einem Klappspaten, einem Stahlhelm, zwei Handgranaten und etwa 70 Schuss Munition, vergraben, wahrscheinlich im Jahre 1945 bei Kriegsende. Wer weiß, welche Geheimnisse das Höhbeck-Kastell noch in sich birgt...

Abb 9
Abb. 9: Waffenfund. Bei Kriegsende hatte jemand seine Ausrüstung im Westwall des Höhbeck-Kastells vergraben.

Nach Abschluss der Arbeiten an der Vietzer Schanze wurde – ebenfalls mit Unterstützung der Samtgemeinde Gartow und der Gemeinde Höhbeck – an der Schwedenschanze ein Wallschnitt angelegt. Dazu wurde ein Bereich gewählt, in dem der Wall zwar schon gestört schien, denn es war eine deutliche Einsinkung zu erkennen, aber dennoch recht hoch erhalten war. So wurde nicht zuviel Substanz des Denkmals zerstört, gleichzeitig war dieser Bereich trotz der Bewaldung noch recht gut zugänglich. Der Aufbau dieses Walles unterschied sich komplett von dem des Kastells. Er war aus Lehm und Sand aufgeschichtet, größere hölzerne Einbauten waren nicht zu erkennen. Besonders verwunderte ein mächtiges Sandpaket im Wallinnern, das Zweifel an der Stabilität des Aufbaus aufkommen ließ. An der Wallinnenfront, zum Kaffeegarten hin, fand sich eine mächtige Steinpackung mit verkohlten Holzresten, die offensichtlich den Wall auf seiner gesamten Länge begleitete. Die Reste ergaben keine sinnvollen baulichen Strukturen, doch auch hier konnte ein Stück Holzkohle datiert werden, und zwar in die Zeit nach 730 n.Chr. Es handelt sich also auch bei der Schwedenschanze um eine frühmittelalterliche Anlage, deren Alter dem des Höhbeck-Kastells nahekommt. Ein funktionaler Zusammenhang beider Anlagen kann nicht ausgeschlossen werden.

Abb 10
Abb. 10: Blick in den Wallschnitt der Schwedenschanze von außen nach innen.


Abb 11
Abb. 11: Der Wallschnitt der Schwedenschanze vom Kaffeegarten aus gesehen.

Die Ausgrabungen gingen bis Ende November, und es ist der warmherzigen Unterstützung von Helga Griese in ihrem Kaffeegarten Schwedenschanze zu verdanken, dass unser Elan trotz widriger Witterungsverhältnisse bis zum Ende ungebrochen anhielt. Für die engagierte Mitarbeit sei besonders den fleißigen Helfern Petra Fleischer, Michael Mendler und Dolph Schoder gedankt.

Jens Schneeweiß
Fotos, soweit nicht anders angegeben: Jens Schneeweiß
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 29. September 2009 um 08:08 Uhr