Slawen an der unteren Mittelelbe

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Fortsetzung der Ausgrabungen am Höhbeck im Herbst 2008

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Nach Abschluss der Lehrgrabungen wurden im Herbst 2008 (Oktober/November) die Geländeuntersuchungen am Höhbeck mit einer kleinen Mannschaft fortgesetzt. Auf verschiedenen, überwiegend durch Oberflächenfunde bekannten Siedlungsplätzen wurden Sondagen durchgeführt, um die Erhaltung slawenzeitlicher Befunde zu überprüfen. Im Burgwall Elbholz wurde zum dritten Mal der Spaten angesetzt und ein weiterer Bereich seiner Innenfläche untersucht.
Ein vielversprechender Fundplatz schien zunächst Restorf Fpl. 3, der auf einer Art Zunge gelegen ist, die in das weite Niederungsgebiet östlich des Höhbecks reicht. Zahlreiche Oberflächenfunde aus den verschiedensten ur- und frühgeschichtlichen Epochen unterstreichen die siedlungsgünstige Lage dieses Fundplatzes. Leider ist durch die langjährige landwirtschaftliche Bearbeitung, die schon durch erkennbare Wölbäcker zu belegen ist, die Erhaltung archäologischer Befunde so schlecht, dass nur sehr wenig dokumentiert werden konnte. Nur in einem von vier Schnitten befanden sich überhaupt Befunde, keiner davon war jedoch slawisch. Es handelte sich um urgeschichtliche Befunde wie beispielsweise ein zerstörtes jungbronzezeitliches Urnengrab.

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Abb. 1: Zwei Grabungsschnitte von Restorf Fpl. 3. Im Hintergrund der Höhbeck.


Abb 2
Abb. 2: Sonnenaufgang über Restorf Fpl. 3.

Auf der Fläche, die dem slawischen Siedlungsplatz Vietze 63, auf dem 2005 bereits gegraben worden war, südlich benachbart ist, wurde einerseits ein bodenkundliches Profil durch einen Altarm angelegt, andererseits wurden aber auch exemplarisch einige interessante Magnetanomalien untersucht. Es stellte sich heraus, dass die untersuchten Befunde, die zu diesen Anomalien gehörten, in die römische Kaiserzeit gehörten. So wurde u.a. ein aus großen Feldsteinen gesetzter Ofen gefunden, der noch recht gut erhalten war. Die slawisch-mittelalterliche Besiedlung dehnte sich offensichtlich nicht bis hierhin aus. In der nördlich an den Fundplatz anschließenden Fläche ist durch die Anlage einer Baumpflanzung der gesamte Oberboden bis in eine Tiefe von etwa 70 cm durch den Tiefpflug gestört. Das ist besonders bedauerlich, da sich die slawische Siedlung mit Sicherheit bis hierhin erstreckte, wovon die Funde beredtes Zeugnis ablegen. Die Hoffnung, wenigstens im Randbereich nur gering gestörte Befunderhaltung anzutreffen, erfüllte sich in einer Sondage leider nicht.

Abb 3
Abb. 3: Vietze, Fpl. 63a. Bodenkundlicher Schnitt durch die Sedimente eines Altarms (Foto: K. Möller).


Abb 4
Abb. 4: Vietze, Fpl. 63a. Ein kaiserzeitlicher Backofen aus Feldsteinen (Foto: P. Fleischer).


Abb 5
Abb. 5: Das Abstecken der Grabungsschnitte im Innern des Ringwalles im Elbholz.

Zu guter Letzt wurden in der Innenfläche des Burgwalls im Elbholz zwei Schnitte geöffnet, die weitere Aufschlüsse über seine Struktur und eine Verlängerung des bereits durch die Vorjahre bekannten Profils zum Ziel hatten. Die Mächtigkeit der ohnehin relativ schwach ausgeprägten Kulturschicht nahm nach innen zu weiter ab. Das unterstreicht, dass der Burgwall bis zu seiner Zerstörung am Beginn des 10. Jahrhunderts offensichtlich nicht sehr lange genutzt worden war. Im Zentrum des Ringwalles befand sich eine auffällige Senke, die im oberen Bereich zum größten Teil mit neuzeitlichem Müll verfüllt war. Darunter schloss sich eine tiefe steilwandige Grube an, die verhältnismäßig homogen mit Lehm verfüllt war und nur wenig Fundmaterial aufwies. Wahrscheinlich handelte es sich hier um eine Grube für einen Brunnen, der jedoch nie fertig gebaut wurde. Wahrscheinlich kam hier die Brandzerstörung des Burgwalles dazwischen.

Abb 6
Abb. 6: Blick auf Schnitt 5 im Burgwall Elbholz.


Abb 7
Abb. 7: Brunnenbaugrube im Zentrum des Ringwalles. Der Brunnen wurde nie fertig gebaut.


Abb 8
Abb. 8: Die Witterungsbedingungen erschwerten teilweise die Arbeiten im Lehm.

Für die sehr engagierte Mitarbeit, und sei es für eine Woche, danke ich den Studenten und Helfern: Maximilian Aydt, Annika Dörner, Dorothea Feiner, Petra Fleischer, Michael Mendler, Katharina Möller, Milan Mros, Dolph Schoder, Rolf Schulze, Jacqueline Strzys, Ralf Wollitz.

Jens Schneeweiß
Fotos, soweit nicht anders angegeben: Jens Schneeweiß
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 29. September 2009 um 08:07 Uhr