Slawen an der unteren Mittelelbe

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Beiträge Neue Beiträge Die Lehrgrabungen der Universität Göttingen im Sommersemester 2008

Die Lehrgrabungen der Universität Göttingen im Sommersemester 2008

E-Mail Drucken
Auch im Sommer 2008 fanden wieder Lehrgrabungen der Universität Göttingen im Wendland am Höhbeck statt. Es wurden zwei Siedlungsstellen untersucht: Restorf Fpl. 4 und Brünkendorf Fpl. 13. In Restorf wurden deutliche Siedlungsspuren aus der römischen Kaiserzeit sowie des Mittelalters gefunden, eine slawische Besiedlung ließ sich nicht nachweisen. In Brünkendorf 13 dagegen fand sich eine mächtige slawische Kulturschicht und zahlreiche Funde und Befunde.

Abbildung 1
Abb. 1: Überblick über die Lage des Fundplatzes Restorf 4.

Die Lehrgrabungen begannen Ende Juli auf dem Fundplatz Restorf 4. Er erstreckt sich auf dem Nordosthang einer Geländekuppe in siedlungsgünstiger Lage an einem Altarm der Elbe. Es wurden vier Schnitte und zwei Sondagen angelegt, die verschiedene Bereiche des Fundplatzes abdeckten. Aus der römischen Kaiserzeit, wohl vorwiegend aus dem 2. und 3. Jahrhundert, stammten eine Pfostenreihe und verschiedene Siedlungsgruben sowie der Schlackeklotz eines Rennfeuerofens, der sich in situ erhalten hatte. Einige Gruben gehörten bereits dem deutschen Mittelalter an und sind wahrscheinlich einer hier gelegenen Wüstung zuzuordnen. Slawische Befunde fehlten. Nach drei Wochen wurden die Arbeiten in Restorf 4 abgeschlossen.

Abb2

Abb3
Abb4
Abb. 2, 3, 4: Grabungsarbeiten in Restorf Fpl. 4 (Fotos: F. Pfotzer, J. Strzys, A. Schäfer).


Abb 5
Abb. 5: Die Grabungsmannschaft der ersten Kampagne 2008.


Abb 6
Abb. 6: Überblick über den Fundplatz Brünkendorf 13.

Ende August wurde in Brünkendorf Fpl. 13 ein 240 m2 großer Schnitt geöffnet, auf dem die Lehrgrabungen nun fortgesetzt wurden. Hier wurden 2006 schon einmal Ausgrabungen in geringerem Umfange durchgeführt. Die slawische Siedlung liegt hier ebenfalls auf dem Nordhang einer Geländekuppe an einem Altarm, direkt gegenüber der Meetschower Burganlage. Eine tiefschwarze, sehr fundreiche Kulturschicht zeugt von einer intensiven Besiedlung an diesem Ort in slawischer Zeit.

Abb 7
Abb. 7: Brünkendorf 13. Blick über die Grabungsfläche zum Laascher See.

Die frühesten Funde gehören etwa in das 9. Jahrhundert, die Blütezeit der Siedlung dürfte nach Aussage der Funde jedoch im 11. Jahrhundert gelegen haben. Davon zeugen u.a. Funde von Münzen und Gewichten. Kurz danach brach die Siedlung ab. Die Siedlung bestand über einen längeren Zeitraum gleichzeitig mit der unmittelbar benachbarten Meetschower Burg, das genaue funktionale Verhältnis der beiden Plätze wird durch die Fundanalyse noch zu klären sein. In den 1970-er Jahren hatte H. Steuer an dieser Stelle ebenfalls schon einmal einige Grabungsschnitte durchgeführt. Durch Sondagen wurden die alten Schnittgrenzen wiedergefunden und eingemessen, so dass die Grabungsergebnisse zusammengeführt werden können.

Abb 8


Abb 9
Abb. 8 und 9: An der Lehrgrabung der 2. Kampagne nahmen Studierende aus Göttingen, Hamburg und Berlin teil.


Abb 10
Abb. 10: Brünkendorf 13. Auffällig war der krasse Gegensatz zwischen der tiefschwarzen Kulturschicht und dem hellgelben anstehenden Sand.

Die Lehrgrabungen wurden auch 2008 wieder von bodenkundlichen Praktika begleitet, die in bewährter Weise von Dr. Thomas Schatz (FH Eberswalde) betreut wurden. In diesem Rahmen wurden u.a. zwei Schnitte durch den Altarm in der Seegemündung gelegt, an dem die Siedlungen Brünkendorf 13 und Vietze 63 liegen. Exkursionen zu kulturhistorischen Denkmälern in der Prignitz sowie zu laufenden archäologischen Ausgrabungen ergänzten das Programm der Lehrgrabung.

Jens Schneeweiß
Fotos, soweit nicht anders angegeben: Jens Schneeweiß
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 29. September 2009 um 07:50 Uhr