Slawen an der unteren Mittelelbe

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Grabungsbericht Friedrichsruhe 2008

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Die Ausgrabungen 2008 in Friedrichsruhe

In der Zeit von Mai bis Oktober 2008 erfolgten im Bereich des Burgwalls von Friedrichsruhe umfangreiche Geländearbeiten. Die Ausgrabungen konzentrierten sich wie in den Vorjahren auf die Vorburgsiedlung, die durch mehrere Schnitte untersucht werden konnte. Darüber hinaus wurden auch Sondagegrabungen im Bereich des Burgwalles vorgenommen.

Untersuchungen im Bereich des Burgwalls

Der Innenraum des Burgwalls wurde durch zwei Schnitte sondiert. Dadurch sollten Hinweise zum Besiedlungsablauf und -struktur im Innenraum gewonnen werden, darüber hinaus stand auch die Frage nach dem Zeitpunkt der Auflassung des Burgwalls im Fokus. Ein Schnitt wurde im bereits durch Abtrag gestörten Bereich des Innenraumes angelegt. Die Befunde im Schnitt waren dementsprechend größtenteils gestört. Das Befundspektrum umfasst Reste von Siedlungsschichten sowie einzelne Steinsetzungen und Feuerstellen. Inwieweit diese Befunde der ehemaligen Bebauung zugeordnet können, bleibt aufgrund der Störungen jedoch nur zu vermuten. Zudem wurde eine kleine Sondage in den südlichen, vermutlich ungestörten Bereichen des Burgwalls – unmittelbar im Wallhinterfrontbereich – angelegt. Die obersten Schichtbereiche waren sehr diffus und stark durch Bioturbation gestört. Bei diesen Schichten dürfte es sich um Reste der abgeflossenen Wallschüttung handeln. Darunter zeichnete sich ein Schichtpaket von aufeinander folgenden Siedlungs- und Aufschüttungsschichten ab. Eindeutig lassen sich zwei Siedlungsschichten im unteren Bereich des Profils fassen, weitere als Kulturschichten anzusprechende Schichten zeichnen sich ansatzweise auch in den oberen Profilbereichen ab, allerdings sind diese Bereiche zumeist gestört. Auf der Schnittsohle konnten schließlich Reste von zwei größeren Gruben dokumentiert werden. Sie sind wohl zur ältesten slawischen Besiedlung auf dem Fundplatz zu rechnen. Aus einer der Grube stammt ein größeres, bislang nicht weiter anzusprechendes Bronzeobjekt, das zurzeit in den Werkstätten des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege restauriert wird.

Zu den Untersuchungen in der Vorburgsiedlung

Zur Befestigung der Vorburgsiedlung

Ziel der Untersuchungen im Bereich der Befestigung war es, den aus der Geophysik bekannten Verlauf im südlichen Areal der Vorburgsiedlung durch mehrere Suchschnitte zu verifizieren sowie den Erhaltungszustand der Konstruktion zu bestimmen. Die Untersuchungen ergaben, dass die Erhaltungsbedingungen in den südlichen Bereichen des Fundplatzes weitaus schlechter waren als in den nördlichen und östlichen Arealen. Die landwirtschaftliche Nutzung, vor allem aber die Meliorationsmaßnahmen der 1970er Jahre führten bereits zur weitgehenden Zerstörung der archäologischen Befunde. Die Befestigung der Vorburgsiedlung ließ sich daher nur noch anhand von Pfostenstellungen und wenigen Holzresten verifizieren. In einigen Arealen konnten darüber hinaus keine archäologischen Befunde mehr nachgewiesen werden.

Siedlungsbefunde im Bereich der Vorburgsiedlung

Neben den Suchschnitten im Bereich der Befestigung wurden mit mehreren Schnitten auch zentrale und südliche Areale der Vorburgsiedlung untersucht. Dabei zeigte sich, dass auch die südlichen Areale der Siedlung bereits weitgehend zerstört sind, nur wenige Reste der ehemaligen Besiedlungen konnten dort nachgewiesen werden. Die zentralen Areale der Vorburgsiedlung wiesen dagegen eine wesentlich bessere Befunderhaltung auf. In diesen Arealen bestand ursprünglich eine Senke, so dass die Befunde dort erhalten blieben und von Auftragsschichten, die bei Planierarbeiten im Bereich des Fundplatzes in den 1970er entstanden sind (vgl. Grabungsbericht 2007), überlagert waren. Überwiegend konnten Reste von Siedlungsschichten aufgedeckt werden, die sicherlich zu einer zusammenhängenden Kulturschicht gehören. Darin eingelagert waren mehrfach Steinsetzungen. Wiederholt konnten in den Schichten auch Reste von Feuerstellen nachgewiesen werden. Reste von Gebäuden konnten allerdings nicht erkannt werden. Zudem konnten Hinweise auf Maßnahmen zur Erschließung des Siedlungsareals gewonnen werden. Im Bereich der vertorften Senke wurde eine flächige Holzabdeckung nachgewiesen, die anschließend mit einer Sandaufschüttung überdeckt wurde. Dies führte zur Trockenlegung der Senke und ließ eine anschließende Besiedlung des Areals zu. Grubenbefunde bzw. eingetiefte Gebäude waren dort dementsprechend auch nicht zu erwarten.

Das Fundmaterial

Die Keramik repräsentiert naturgemäß den Hauptteil des Fundmaterials. Sie ist hauptsächlich der mittelslawischen Menkendorfer Ware zuzuordnen. Weiterhin fehlt jungslawische Gurtfurchenkeramik fast vollständig (vgl. Grabungsbericht 2007). Unter den Kleinfunden dominieren vor allem Spinnwirtel und Wetzsteine. Hervorzuheben sind die 64 Perlen aus Glas, Bernstein, Karneol und Bergkristall, die durch das systematische Ausschlämmen der Siedlungsschichten geborgen werden konnten. Erwähnenswert sind zudem das Fragment einer bronzenen Ringfibel sowie mehre Geweihobjekte, die auf eine lokale Geweihverarbeitung schließen lassen. Ein größeres Bronzeobjekt aus dem Burginnenraum (siehe oben) konnte noch nicht näher bestimmt werden. Darüber hinaus wurden abermals zahlreiche Fundstücke geborgen, die dem Neolithikum zugeordnet werden können. Neben Klingen und Klingengeräten konnte auch ein geschliffenes Flintbeil geborgen werden.

Ausblick

Mit der Grabung 2008 werden die Feldarbeiten im Bereich des Burg-Siedlungskomplexes beendet. An dieser Stelle soll allen an den Grabungen und darüber hinaus beteiligten Mitarbeitern, Kollegen, Studenten und auch Besuchern herzlich für die Unterstützung und Mitarbeit gedankt werden.