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Die Ausgrabungen am Meetschower Burgwall 2006/2007

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Abb. 1: Luftaufnahme der Burganlage Meetschow mit den geöffneten Grabungsschnitten im Vorburgareal im Sommer 2007 (Foto: F.Ruchhöft).

Nach den erfolgreichen Grabungen im Herbst 2005, die die genaue Datierung des bekannten Meetschower Ringwalles ermöglichten, wurden in den folgenden beiden Jahren die Grabungen im Vorburgbereich fortgesetzt. Durch geophysikalische Untersuchungen (Magnetik) wurde ein bislang unbekannter zweiter Ringwall in nur 100 m Entfernung vom ersten entdeckt. Die Lehrgrabungen der Universität Göttingen 2006 untersuchten diesen zweiten Ringwall, während im Sommer 2007 der Bereich zwischen beiden Ringwällen im Zentrum der Ausgrabungen stand.

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Abb. 2: Die Lage der Grabungsflächen 2005-2007 in Meetschow Fpl. 1 im Verhältnis zur heutigen Topographie und zum Magnetplan (Graphik: M. Posselt/J. Schneeweiß).

In den beiden Grabungskampagnen 2006 und 2007 wurden auf dem etwa 2 ha großen Areal der Burganlage von Meetschow ca. 900 m2 ausgegraben. Die Grabungen fanden größtenteils als Lehrgrabung mit Studenten der Universität Göttingen statt.

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Abb. 3: Das Grabungsteam im Sommer 2006.

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Abb. 4a-c: Das Grabungsteam im Sommer 2007.

Die Ausgrabungen bestätigten die Vermutung, dass es sich bei dem im Magnetplan neuentdeckten Ringwall II um eine weitere Wall-Graben-Anlage aus dem 10. Jh. handelte. Leider hatte sich hier kein Holz erhalten, da der Platz 1,6 m höher liegt als Meetschow I. Im Keramiksprektum von Meetschow II überwiegt bei weitem mittelslawische Keramik vom Typ Menkendorf, gefolgt vom Feldberger Typ. Dendrochronologisch datierte Holzkohlen bestätigen, dass die Hölzer nicht vor 897 geschlagen wurden und der Bau also ebenfalls im 10. Jh. erfolgte, etwa gleichzeitig mit dem anderen Burgwall (dort Beginn 906).

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Abb. 5: Überreste des Wallfußes von Meetschow II. Holz war nicht erhalten, lediglich einige verkohlte Balken konnten dokumentiert werden.

Gegenwärtig sind zwei Interpretationen denkbar. Entweder bestand die Burganlage in Meetschow aus einer nochmals von Wall und Graben umschlossenen großen Doppelburg, oder die Burg I wurde nach ihrer Zerstörung in der zweiten Hälfte des 10. Jh. in unmittelbarer Nähe etwas höher gelegen wieder aufgebaut (Burg II). Für die letzte Interpretation spricht eine anthropogene Aufhöhung des Geländes unter der zweiten Burg sowie die Beobachtung, dass die Burg I nach 950 offenbar durch Unterspülung zerstört wurde. Von großem Interesse sind ältere, frühslawische Siedlungsreste des 8. Jh. im gesamten ‚Vorburgbereich’. Diese zunächst wahrscheinlich unbefestigte Siedlung wurde zu einem späteren Zeitpunkt, der noch nicht genau datiert werden kann, mit einem Wall umgeben. Nach Süden war ein Graben Bestandteil der Befestigung, nach Norden wurde dagegen das Ufer eines Gewässers befestigt. Im Sommer/Herbst 2007 wurde ein Teil dieser Siedlung flächig ergraben. Trotz teilweise widriger Bedingungen konnten im zentralen Schnitt 2, der eine Größe von 400 m2 hatte, zahlreiche Spuren einer intensiven Besiedlung dokumentiert werden. Besonders zahlreich waren einfache Lehmöfen und offene Herdstellen (insgesamt 30), sowie etliche kleine Pfosten- bzw. Stakenlöcher. Die Bebauung war nw-sö ausgerichtet. Die Gebäude dürften ebenerdig gewesen sein. Vereinzelt konnten Wandgräbchen nachgewiesen werden, ebenso eine gleichgerichtete Pfostenreihe, die das bebaute Areal nach SW begrenzt. Längsgerichtete Fundkonzentrationen lassen sich als Abfallanhäufungen an Gebäudegrenzen interpretieren.

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Abb. 6: Die Pfeile markieren links eine längsgerichtete Konzentration von Knochen, wahrscheinlich entlang einer Wand, rechts ein schmales Wandgräbchen im Planum. Beide Strukturen laufen rechtwinklig aufeinander zu, in der Ecke befindet sich ein Lehmofen. Im Vordergrund zwei begrenzte, aber miteinander verbundene Rollsteinpflaster, deren Zweck noch nicht erschlossen werden konnte.

Das zugehörige Fundmaterial blieb relativ spärlich, es wurde vor allem unverzierte Keramik, einige noch nicht näher identifizierte korrodierte Eisenfunde sowie einige Schleif- bzw. Wetzsteine geborgen. Es handelt sich durchweg um einfache handgemachte Töpfe mit Standboden.

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Abb. 7: Zwei nahezu vollständig restaurierbare Gefäße aus der frühslawischen Siedlungsschicht von Meetschow I. Die Keramik ist durchweg unverziert, die meisten Gefäße lassen sich der Sukower Gruppe zuordnen (Foto links: M. Franke, Foto rechts: D. Feiner/C. Herzog).

Auffällig waren die überaus zahlreichen Tierknochen, mit denen die ganze Kulturschicht durchsetzt zu sein schien. Dabei handelte es sich offenbar überwiegend um Speiseabfälle, Werkabfälle wurden nicht geborgen. Die mittelslawische Besiedlung ist durch die Befestigungen Meetschow I und Meetschow II charakterisiert. Im zwischen ihnen liegenden Vorburgareal belegen einige Gruben, Grubenhäuser und ein Brunnen die Besiedlung. Die meisten Funde befanden sich in den oberen Schichten, in Resten der Kulturschicht des ausgehenden 9. bis 10. Jh, die sich nur selten von einer Planierschicht trennen liessen. Der größte Teil des Vorburggeländes (inklusive Burg II) ist nämlich eingeebnet worden, wahrscheinlich um das Gelände ackerbaulich zu nutzen. Dabei kam es zu einer Durchmischung mit der Kulturschicht. In seiner Funktion rätselhaft ist eine fast pflasterartig anmutende Steinanhäufung an der Innenseite des nördlichen Verbindungswalles zwischen Meetschow I und II, die in Schnitt 1 ergraben werden konnte. Besonders auffällig war die große Zahl an Knochen unter, zwischen und auf den Steinen. Sie lagen teilweise noch in anatomischem Verband. Anscheinend handelt es sich hierbei nicht um Schlachtabfälle.

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Abb. 8: Konzentration von zahlreichen Steinen und Knochen, die an ein Pflaster erinnert. Die Knochen liegen z.T. noch in anatomischem Verband. Der Zweck dieser Anhäufung ist unklar. Rechts direkt im Anschluss der nördliche Verbindungswall zwischen Meetschow I und II, dessen Hölzer sich nur als Verfärbung erhalten haben.

Der unmittelbar an den Befund anschließende Wall war in Holz-Erde-Konstruktion errichtet, allerdings waren die unverbrannten Hölzer nurmehr als Erdverfärbungen erhalten, so dass eine genaue Datierung anhand der Hölzer nicht vorgenommen werden konnte. Er war nur noch in geringer Höhe erhalten, da er ebenfalls eingeebnet worden war. Brandversturzschichten und einige verkohlte Hölzer auf der Wallaußenseite belegen dennoch, dass auch dieser Wall abbrannte. An die Außenseite dieses Walles schloss kein Graben an, wie zunächst vermutet worden war, sondern hier war der Uferbereich eines Gewässers befestigt worden.

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Abb. 9 (links): Kleine Bernsteinperle aus der mittelslawischen Kulturschicht. Dm: 11 mm. Abb. 10 (rechts): Bruchstück eines bronzenen Reitersporns (ohne Dorn) aus einer mittelslawischen Grube. Erhaltene Länge: 112 mm.

Unter den herausragenden Funden sind vor allem drei Sporen zu erwähnen, darunter auch das Bruchstück eines bronzenen Sporns, sowie eine kleine Bernsteinperle. Weiterhin wurden mehrere Spinnwirtel gefunden, die alle der mittelslawischen Siedlungsschicht angehören.

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Abb. 11: Im Sommer 2007 bereitete zwischenzeitlich das Elbehochwasser einige Probleme.


Jens Schneeweiß

Fotos: J. Schneeweiß, sofern nicht anders angegeben.
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 02. September 2009 um 15:37 Uhr