Slawen an der unteren Mittelelbe

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Die Ausgrabungen am Burgwall im Elbholz

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Die Untersuchungen im Elbholz begannen Ende 2005 mit einem Wallschnitt und wurden Ende 2006 fortgesetzt. Der einphasige Ringwall wurde nach seiner Zerstörung durch eine heftige Brandkatastrophe Anfang des 10. Jh. aufgegeben. Er war zuvor wahrscheinlich nur über einen kurzen Zeitraum seit dem Ende des 9. Jh. bewohnt. Umfangreiche Sedimentationen im unmittelbaren Umfeld der Wallanlage haben die Landschaft nachhaltig verändert. Dadurch herrschen erschwerte Bedingungen für die notwendigen Prospektionsarbeiten. Der Fund eines spätkarolingischen Reitersporns spricht für die Anwesenheit eines Angehörigen einer gehobenen sozialen Schicht und damit für eine gewisse machtpolitische Bedeutung der Anlage. Möglicherweise ist auch ein funktionaler Zusammenhang mit Lenzen-Neuehaus im Sinne der Sicherung eines Elbübergangs in Erwägung zu ziehen.

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Abb. 1: Der slawische Ringwall im Elbholz ist gut erhalten und deutlich im Gelände sichtbar.

In der zweiten Novemberhälfte 2005 wurde ein 18 m langer Wallschnitt durch den Wallkörper im Elbholz angelegt, dessen Lage u.a. durch den Baumbestand vorgegeben war. Seine maximale Tiefe betrug fast 4,50 m unter der Wallkrone und erreichte dort das Grundwasser.

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Abb. 2: Der Wallschnitt während der Grabung. November 2005.

Es konnte das nahezu komplette Profil der Befestigung mit Wall, Berme und Graben aufgedeckt werden. Der Schnitt setzte außen direkt neben dem am Wall entlang führenden Forstweg an und reichte bis in die Innenfläche. Es zeigte sich, dass der Graben vollständig verfüllt und daher im Gelände nicht mehr zu erkennen ist. Der Wallschnitt erfasste nicht den gesamten Graben, da der Forstweg nicht geschnitten werden konnte. Die Breite des Grabens von ehemals etwa 10-12 m konnte jedoch durch Bohrungen erschlossen werden. Überraschend war die obere Grabenverfüllung aus über 1 m mächtigen fluviatilen Sandablagerungen, die auch das Umfeld des Burgwalles mit einer Mächtigkeit von mindestens 0,5 m bedecken. In der Innenfläche des Ringwalls fehlen solche sandigen Ablagerungen. Nach der Zerstörung der Burg, wahrscheinlich noch im 10. Jh., müssen demnach erhebliche Wassermengen den Ringwall umspült haben. Es gab wahrscheinlich mindestens drei solcher Ereignisse, in deren Verlauf es zu teilweise beträchtlichen Sedimentationen kam. Der Burgwall befindet sich nur wenige hundert Meter vom heutigen Flussbett der Elbe entfernt. Wahrscheinlich handelte es sich um einen Nebenarm der Elbe, der sich hier noch vor dem Deichbau sein Bett suchte.

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Abb. 3: Wall-Graben-Profil der Burg im Elbholz aufgrund der Grabungen und Bohrungen 2005/2006 (Graphik: H. Marx/J. Schneeweiß). Farbig besonders hervorgehoben sind Konzentrationen gebrannten Lehms als Zeugen der Brandzerstörung und fluviatile Sandablagerungen außerhalb des Burgwalles, die seinen Graben gänzlich verfüllen. Oben: Fotomontage des Wallprofils.

Der in typischer Holz-Erde-Bauweise ausgeführte Wall aus zwei, wahrscheinlich sogar drei lehmgefüllte Kästen hintereinander wies ursprünglich am Fuß eine Breite von ca. 6-8 m auf, nach außen schloss sich die Bermensektion an, die dann in den breiten Sohlgraben überging. Die Hoffnung auf Holzerhaltung erfüllte sich nicht, so dass eine dendrochronologische Datierung nicht möglich ist. Der Wall war einphasig, eindeutige Ausbau- oder Umbauphasen ließen sich nicht feststellen. Von einem gewaltigen Schadensfeuer zeugen mächtige Versturzschichten gebrannten Lehms, die innere, orangerot verziegelte Kastenreihe sowie Spuren verbrannter Wallaufbauten und Anbauten an der Wallinnenfront. Im Anschluss an den Wallschnitt wurde im November 2006 an seiner Innenseite eine Fläche von 5 x 5 m geöffnet, an seiner Außenseite erfolgte eine Verlängerung des Profils durch Bohrungen. Der Burgwall hat offensichtlich nicht lange bestanden.

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Abb. 4: Blick in die Innenfläche des Burgwalls mit dem Grabungsschnitt 2006 an der Wallinnenfront.

Darauf deuten die geringmächtige Kulturschicht, die wenigen Siedlungsspuren und die überschaubare Menge des Fundmaterials im Inneren der Anlage. Es handelt sich hauptsächlich um Siedlungskeramik und Tierknochen, Ausnahme bildet lediglich ein spätkarolingischer Reitersporn. Dieser Fund spricht immerhin für die Anwesenheit eines Angehörigen einer gehobenen sozialen Schicht an diesem Ort – möglicherweise ein Hinweis auf die Funktion dieser Anlage.

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Abb. 5: Spätkarolingischer Reitersporn. Links: vor der Restaurierung. Rechts: Röntgenbild. Deutlich erkennbar ist im vergrößerten Ausschnitt das Nietplattenende des Sporns (Röntgenaufnahme: S. Flohr, Zentrum für Anatomie, Universität Göttingen).

Die Sondagen im Zentrum der Burg lieferten wenig Fundmaterial und so gut wie keine Siedlungsspuren. Die Bebauung konzentrierte sich offenbar auf die Wallinnenfront. Die wenigen Scherben gehören zum weit überwiegenden Teil dem Feldberger und dem Menkendorfer Typ an, es gibt nur sehr wenig unverzierte Ware. Insofern scheint aus archäologischer Sicht eine Datierung in die zweite Hälfte des 9. Jh. bzw. an den Beginn des 10. Jh. geboten. Es kann wohl mit Recht davon ausgegangen werden, dass der Burgwall im Elbholz noch vor der Mitte des 10. Jh. zerstört worden ist. Mit Hilfe der optisch stimulierten Lumineszenz (OSL) wurde der Zeitpunkt der letzten Belichtung des Sediments bestimmt, das den Graben verfüllte. Dieser lag demnach im 9. oder 10. Jh. Aufgrund der eindeutigen stratigraphischen Position nach der Zerstörung des Burgwalls kann das 9. Jh. wohl weitgehend ausgeschlossen werden. Das Ereignis, das zu der Sandabdeckung führte, muss also noch im 10. Jh. stattgefunden haben.

Jens Schneeweiß

Fotos: J. Schneeweiß, sofern nicht anders angegeben.