Slawen an der unteren Mittelelbe

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Grabungsbericht Friedrichsruhe 2007

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In der Zeit von April bis Mai sowie Juli bis November 2007 erfolgten im Bereich des Burgwalls und der Vorburgsiedlung von Friedrichsruhe umfangreiche Geländearbeiten. Die archäologischen Arbeiten konzentrierten sich schwerpunktmäßig auf die Vorburgsiedlung, die großflächig untersucht werden konnte. Darüber hinaus wurden auch Sondagegrabungen im Bereich des abgetragenen Burgwalles vorgenommen.

Untersuchungen im Bereich des Burgwalls

Aufgrund der geophysikalischen Prospektionen in den abgetragenen Bereichen des Burgwalls war zu vermuten, dass sich Reste der ehemaligen Wallkonstruktion noch im Boden erhalten hatten. Mit dem Ziel der Überprüfung der geophysikalischen Ergebnisse wurde ein 15x3 m großer Sondageschnitt angelegt (Schnitt 9), der im Anschluss bis an die Abtragsgrenze des Burgwalles verlängert wurde (Schnitt 10).

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Überblick über die Befestigungskonstruktion im Bereich des abgetragenen Burgwalles (Foto: M. Börner)

Im Rahmen der Sondage konnte die Wallkonstruktion in einem überwiegend guten Erhaltungszustand nahezu vollständig freigelegt und dokumentiert werden. Sie entspricht der aus dem Wallschnitt 2004 bekannten Konstruktion und besteht aus einer Kernsektion mit zwei Reihen hintereinander gesetzter Holzkästen sowie innen und außen vorgelagerten Wallfüßen. Die Bohlenkästen des Wallkerns konnten nur teilweise erfasst werden, die äußere Kastenreihe war durch die Anlage des Wallfußes bereits weitgehend zerstört. Vom Holzkasten der inneren Reihe wurden allerdings noch Reste der untersten Bohlenlage erfasst. Die Wallfüße bestanden aus drei- bzw. zweiteiligen kastenartigen Plankenwandkonstruktionen, die von Pfosten fixiert und durch Ösenbalken mit einander verbunden wurden. Die Innenräume der Schalenwände wurden mit Rundhölzern verfüllt.
Reste des inneren Wallfußes konnten auch noch in dem nach Süden hin anschließenden Schnitt 10 untersucht werden. Dabei handelt es sich um Teile der inneren Plankenwand, die z. T. in den Innenraum umgestürzt und erhalten waren. Siedlungsbefunde bzw. -schichten konnten im Schnitt 10 jedoch nicht festgestellt werden. Diese wurden durch den Abtrag bereits weitgehend zerstört.

Zu den Untersuchungen in der Vorburgsiedlung


Zur Befestigung der Vorburgsiedlung
Reste der Befestigung der Vorburgsiedlung wurden mit den Schnitten 13 und 17 untersucht. Ziel war es, den aus der Geophysik bekannten Verlauf der Befestigung zu verifizieren sowie den Erhaltungszustand der Konstruktion zu bestimmen.
In Schnitt 13 konnte die Wallkonstruktion auf ihrer gesamten Breite vollständig erfasst und dokumentiert werden. Die Befestigung bestand wiederum aus einer Holz-Erde-Konstruktion mit einem Wallkern aus Bohlenkästen sowie innen und außen vorgelagerten Wallfüßen. Die hölzernen Bohlenkästen wiesen einen schlechten Erhaltungszustand auf, die Verfüllung bestand dabei aus gelbem bis graugelbem Sand. Zur Stabilisierung der Kästen diente eine großflächige Packung aus bis zu 15 cm im Durchmesser großen Steinen entlang der Kastenrückseite. Das Abfließen der Wallaufschüttung an der Vorder- und Rückfront wurde zudem durch Plankenwandkonstruktionen aus waagerecht angeordneten Bohlen an den Wallfüßen verhindert.

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Blick auf die Reste des Bohlenweges (Schnitt 18, Foto: S. Messal)


Das Tor und die Zuwegung
Der Torbereich der Vorburgsiedlung wurde bereits in der Kampagne 2006 untersucht, Verlauf und Konstruktion der aus der Geophysik bekannten Zuwegung war dagegen Ziel der diesjährigen Kampagne. Der Verlauf des Zugangsweges wurde durch mehrere Sondageschnitte verfolgt, wobei sich diese an den Ergebnissen der geophysikalischen Prospektionen orientieren. Der Weg verläuft von der Geländezunge aus in südöstlicher Richtung zur nächsten Sandkup-pe, wobei er in den tiefer gelegenen Niederungsbereichen in einen etwa 2,5-2,6 m breiten Bohlenweg übergeht. Der Aufbau besteht regelhaft aus einer Sandaufschüttung, die von seit-lich eingeschlagenen Pfosten gehalten wurde. Im torfigen Untergrund lag die Aufschüttung offenbar auf einer Substruktion aus querliegenden Bohlen auf, die jedoch nur vereinzelt erhalten sind.

Siedlungsbefunde im Bereich der Vorburgsiedlung

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Rotationsschleifstein aus der Kulturschicht im Schnitt 6 (das Stück wurde vor der Bergung als Mahlstein angesprochen, Foto: S. Messal)

Mit den Schnitten 6 und 8 wurde bereits 2006 der östliche Teil der Vorburgsiedlung großflächig untersucht. An diese Schnitte lehnten sich zur Klärung des weiteren Verlaufes der Kulturschichten die Schnitt 13 und 17 an. Darüber hinaus wurde der Schnitt 6 nach Süden hin nochmals auf einer Fläche von 10x5 m erweitert. Es zeigte sich das die Erhaltungsbedingungen im südöstlichen Bereich der Vorburgsiedlung erheblicher besser als in den nördlichen und zentralen Teilen ist. Die Kulturschicht konnte großflächig verfolgt werden, z. T. waren einzelne Befunde, wie Steinpackungen oder Gruben, in diese eingetieft. Aus dem bereits 2006 als Werkareal interpretierten Bereich unmittelbar hinter der Befestigung konnten bei der Schnitterweiterung weitere Schlackefunde, aber auch Reste von Essesteinen geborgen werden, die Metallbearbeitung wird wohl auch durch einen Rotationsschleifstein deutlich belegt.

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Blick auf die Reste der Kulturschnitt in Schnitt 17, nach Norden hin schließt sich die Befestigung der Vorburgsiedlung an (Foto: B. Wollschläger)

Im Gegensatz zum östlichen Siedlungsareal konnten in den nördlichen und zentralen Siedlungsbereichen nur wenige Siedlungsreste dokumentiert werden. Es ist davon auszugehen, dass diese Areale durch Meliorations- und Planierarbeiten bereits weitgehend zerstört wurden. Darauf verweisen auch zwei angelegte, 60 m lange Suchschnitte, in denen nur wenige slawenzeitliche Gruben freigelegt werden konnten.

Das Fundmaterial
Den überwiegenden Teil des Fundmaterials repräsentiert die Keramik, die hauptsächlich der mittelslawischen Menkendorfer Ware zuzuordnen. Zum Haushaltsinventar gehören Knochenpfrieme und Knochennadeln sowie einzelne Eisenmesser, in großer Zahl fanden sich darüber hinaus auch Spinnwirtel aus Ton und Sandstein und Wetzsteine. Weiterhin liegen etwa 20 Perlen vor, u. a Exemplare aus Bernstein, Karneol und Bergkristall.
Hervorzuheben sind zwei Münzfragmente aus Silber, die aufgrund des Erhaltungszustandes als Hacksilber gedeutet werden. Dabei handelt es sich um einen römischen Silberdenar des Trajan, geprägt zwischen 103 und 111 n. Chr. und um einen arabischen Silberdirham, dessen Bestimmung derzeit durchgeführt wird. Den Waffen kann schließlich eine etwa 20 cm lange Lanze aus dem Bereich des Bohlenweges zugeordnet werden.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 07. August 2009 um 09:30 Uhr