Slawen an der unteren Mittelelbe

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Start Beiträge Beiträge 2006/7 Ausgrabungen am Burgwall von Lenzen (Fpl. 9) im August 2006

Ausgrabungen am Burgwall von Lenzen (Fpl. 9) im August 2006

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Bei der vierten, zehntägigen Grabungskampagne des Lehrstuhls für Ur- und Frühgeschichte der Universität Greifswald am Burgwall Lenzen 9, „Neuehaus“, im August 2006 wurden vier Schnitte im Süden des großen Burgwalls sowie im kleinen Ringwall angelegt.

In der großen Befestigung ließen sich unter Auelehmablagerungen eine dünne frühdeutsche und eine starke slawische Kulturschicht mit zahlreichen Funden überwiegend des 9. Jahrhunderts, aber nur wenigen Gruben nachweisen. Der große Burgwall dürfte demnach vorwiegend randlich bebaut gewesen sein. Am Südrand des kleinen Ringwalls wurde unter starken Brandschuttablagerungen ein im 12./13. Jahrhundert terrassenartig in den Wallversturz eingegrabener, intensiv genutzter Siedlungsbereich festgestellt (Abb. 1), in dem Estriche, Gruben, Pfostenlöcher und ein Lehmkuppel-Backofen auf eine Hausbebauung schließen lassen. Hier - im Vorgelände des Turmhügels - stand offenbar ein großes, turmartiges Rechteck-Pfostengebäude. Außerdem wurden im Burgwall slawische Kulturschichten, einige Gruben und steingesetzte Feuerstellen angetroffen.

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Abbildung 1: Ofen, Gruben und Estriche des späten 12./13. Jahrhunderts im kleinen Ringwall.

Das Fundmaterial ist außergewöhnlich reichhaltig: Neben wiederum großen Mengen slawischer Keramik (Sukow, Feldberg, Menkendorf, unverziertes Menkendorf, wenig Tornow, Teller, Lehmwannen, Sonderstücke wie Henkelgefäße) und Kugeltopfware des späten 12. bis zur ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden zahlreiche Spinnwirtel und Eisenmesser, mehrere Wetzsteine, bearbeitete Geweihstücke, ein Hakenschlüssel (?), ein lyraförmiger Feuerstahl und insbesondere ein reich verzierter, durchbrochener Bronzebeschlag mit kreuzförmigem Ende geborgen, möglicherweise ein Kästchenbeschlag des 13. Jahrhunderts. Der Fund gehört zur Elitenkultur und kündet von einer beachtlichen Ausstattung der Herren der Burg.

An den Arbeiten beteiligten sich neben den Greifswalder Studierenden Frank Bothe, Anne Dombrowsky, Ronny Glaser, Ulrike Höllwarth. Eva Lange, Normen Posselt, Alexander Pust und Stefanie Thim auch Mitglieder des Jugendclubs „Heinrich Schliemann“ aus Neubrandenburg unter Leitung von Rainer Szczesiak M. A., und zwar Markus Dräger, Sören Granzow, Benedikt und Gregor Oyen, Stefanie Stange sowie Frank Ziemke. Die Arbeiten wurden wie stets von Dr. Norbert Goßler, Dr. Günter Wetzel und Jörg Hildebrandt (BLDAM) unterstützt. Allen genannten Personen sei herzlich gedankt.

Dr. Felix Biermann

Photo: F. Biermann

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 07. August 2009 um 10:58 Uhr