Slawen an der unteren Mittelelbe

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Weitere Ausgrabungen am Burgwall von Lenzersilge in der Prignitz

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Im Juni 2006 fand die zweite, fünftägige Grabungskampagne des Lehrstuhls für Ur- und Frühgeschichte der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald an dem bereits im Vorjahr untersuchten, gänzlich abgetragenen Burgwall Lenzersilge statt. Die beiden Schnitte betrafen Wall und Innenfläche des Ringwalls, der eine alte Passsituation in der elbnahen Niederung sperrte.

 

Im Anschluss an die Wallhinterfront wurden Spuren einer intensiven Siedlungsnutzung festgestellt: Eine große lang-ovale Grube von 7 m Länge und über 3 m Breite, die mit Branderde und vielen Siedlungsfunden verfüllt war und die offensichtlich der eingetiefte Bereich eines Wohngebäudes gewesen ist. Dafür spricht insbesondere ein kleiner Lehmkuppelofen, der in dieser Grube erbaut worden war. Im Anschluss an die Grube wurde zu ebener Erde ein rechteckiges Steinpflaster festgestellt, bei dem es sich um den Bestandteil eines Blockhauses gehandelt haben dürfte.


Lenzersilge06Bild1

Ausgrabungen am Burgwall Lenzersilge

 

Wenige Meter neben diesem Objekt wurde der Hauptbefund der Grabung erschlossen: ein Holzkastenbrunnen von über 2 m Tiefe. Eine lang-rechteckige Kastenkonstruktion aus horizontalen Brettern auf Stoß wurde an den Schmalseiten durch senkrecht eingeschlagene Bretter sowie massive Steinverkeilungen ergänzt. Scherben von Feldberger und Sukower Art geben Hinweise zur Zeitstellung, doch ist auch auf eine Jahrringdatierung zu hoffen. Das bereits stark angegriffene Holz dieses Brunnens, der hart am Grundwasserspiegel lag, wäre in den nächsten Jahren völlig vergangen. Auch im Zentrum des Burgwalls wurden Kulturschichten und zwei weitere lang-ovale Gruben, die zumindest sekundär der Aufnahme von Herdabfall dienten, festgestellt.


Lenzersilge06Bild2

Der Brunnen


Das Fundmaterial ist reichhaltig und umfasst Feldberger Keramik von ausgezeichneter Qualität sowie Sukower Typ, während Menkendorf erst in wenigen Ansätzen zu erfassen ist. Hervorhebenswert sind etliche Lehmwannenreste sowie ein handgeformter Miniaturnapf. Unter den Kleinfunden sind ein strichverziertes Bronzearmband, eine Eisenschnalle oder ein Riemendurchzug, Messer und Haken, Eisenschlacken, Scherben mit Pechanhaftungen sowie Tonspinnwirtel zu erwähnen.

Lenzersilge gehörte zu den zeitig errichteten und relativ früh auch wieder aufgegebenen Burgen des Linonengebietes. Die Anlage ist als Feldberger Burgwall zu bezeichnen und vorläufig im Schwerpunkt in das 9. Jh. zu datieren. Die nähere Auswertung wird interessante Ergebnisse zur Baustruktur, Nutzung, Datierung und politisch-militärischen Funktion dieser Befestigung ergeben.

Für die engagierte Mitarbeit ist den Greifswalder Studierenden Anne Dombrowsky, Jana Dräger, Andreas Kieseler, Matthias Meißler, Martin Planert, Jörg Schümann und Holger Warnke herzlich zu danken, für die Unterstützung im DFG-Projekt „Linonen“ Dr. Norbert Goßler, Jörg Hildebrandt und Dr. Günter Wetzel vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum in Wünsdorf.

 

Dr. Felix Biermann, Greifswald

 

Fotos Felix Biermann

 

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 07. August 2009 um 11:05 Uhr