Slawen an der unteren Mittelelbe

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Start Beiträge Beiträge 2006/7 Weitere Ausgrabungen am Burgwall Lenzen Fpl. 9 ("Neuehaus")

Weitere Ausgrabungen am Burgwall Lenzen Fpl. 9 ("Neuehaus")

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Im März 2006 fand die dritte Grabungskampagne des Lehrstuhls für Ur- und Frühgeschichte der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald am Burgwall Lenzen 9 (Kr. Prignitz) statt. Die Untersuchungen galten vor allem der Aufhellung der Innenbesiedlung der komplexen Wallanlage, die aus einem großen Burgwall wohl vorwiegend des 9. Jhs., einem nach Jahrringdaten im späten 9. Jh. gebauten und bis in das frühere 10. Jh. genutzten kleinen Ringwall sowie einer frühdeutschen Befestigung mit Turmhügel des späten 12. und 13. Jhs. besteht.

 

Der Hauptschnitt durchmaß den kleinen Ringwall von der südlichen Wallinnenfront bis in dessen Zentrum. Die Hausbebauung in Blockbautechnik konzentrierte sich am Wall, wo unter der brennend umgestürzten, im verkohlten Zustand konservierten Wallrückfront Lehmwannen und zerdrückte Tongefäße geborgen wurden. Im Zentralbereich der Burg lagen unter einer Kulturschicht nur wenige Gruben (darunter ein mächtiges, über 1 m eingetieftes Pfostenloch), so dass dieses Areal weitgehend unbebaut - ein freier Hof - gewesen zu sein scheint. Die gewaltige Fundmenge aus der Kulturschicht verweist gleichwohl auf eine intensive Nutzung. Interessant ist ein großer frühdeutscher (Keller?)-Grubenkomplex im Burghof.

 

 

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Ansicht des Schnittes im kleinen Ringwall

 

 

Ein weiterer Schnitt erforschte den noch erhaltenen Wall-/Turmhügelrest. Hier fanden sich Spuren eines hölzernen Turmes in Pfostenbauweise mit eingezapften Schwellriegeln, somit des Hauptgebäudes der einige Zeit nach dem Wendenkreuzzug von 1147 hier angelegten Burg. Zwei Grabungsschnitte deckten schließlich Innenflächenstrukturen im großen Burgwall auf. Aus slawischer Zeit stammen leicht eingetiefte Hausstellen z. T. mit steingesetzten Herden, aus der frühdeutschen Nutzungsperiode große, rechteckige Kellergruben, Pfostenlöcher und eine Herdstelle. Es zeigt sich insofern, dass die ganze slawische Anlage im späten 12. und 13. Jh. noch einmal ausgebaut worden ist.

 


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Grubenkomplex des 12./13. Jhs.

 

 

Das umfangreiche Fundmaterial besteht neben der Keramik - darunter Scherben mit warzenförmigen Applikationen und Schnurösen sowie einem Pokalfuß - aus Kleinfunden wie zahlreichen Spinnwirteln, Wetzsteinen, Tonmurmeln und -perlen, Messern u. a. Die Grabungen werden fortgesetzt.

Für die - wie stets - engagierte Mitarbeit ist den Greifswalder Studierenden und Doktoranden Frank Bothe, Anne Dombrowsky, Hannah Drissen, Thomas Kinkeldey, Katharina Kreuzarek, Anja Noack, Martin Planert, Normen Posselt, Holger Warnke und Robert Zimmermann zu danken, für die Unterstützung Dr. Norbert Goßler, Dr. Günter Wetzel und Jörg Hildebrandt (BLDAM) sowie für die dendrochronologischen Datierungen Dr. K.-U. Heußner (DAI Berlin).

 

Dr. Felix Biermann

Fotos F. Biermann

 

 

 




Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 02. September 2009 um 15:34 Uhr