Slawen an der unteren Mittelelbe

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Die Lehrgrabungen der Universität Göttingen im Sommersemester 2005

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In der vorlesungsfreien Zeit des SS 2005 fanden Lehrgrabungen der Universität Göttingen auf zwei slawischen Siedlungsstellen am Höhbeck statt: Kapern, Fpl. 8 und Vietze, Fpl. 63. Auf beiden Flächen hatten wir im Frühjahr Begehungen bzw. Sondagen durchgeführt. Während die Ergebnisse in Kapern hinter den Erwartungen zurückblieben, waren die Resultate in Vietze umso zufriedenstellender.

 


Ende Juli begannen die als Lehrgrabungen konzipierten Untersuchungen der Universität Göttingen am Höhbeck. Außer Göttinger nahmen auch Studierende anderer Universitäten des In- und Auslandes daran teil (FU und HU Berlin, Kiel, Leipzig; Belgien, Irland, Polen, USA). Ergänzend zu den Lehrgrabungen fanden zwei jeweils eintägige bodenkundliche Praktika statt, die von Dr. Thomas Schatz (FH Eberswalde) betreut wurden.

 

bodenkunde

 

Exkursionen zu kulturhistorischen Denkmälern der Umgebung sowie zu laufenden archäologischen Ausgrabungen ermöglichten den Studierenden darüber hinaus, das Umfeld der Grabungen kennenzulernen.



Die erste Praktikumsgruppe im August arbeitete auf einer Fläche nördlich von Kapern, auf der im Frühjahr grabungsvorbereitend Oberflächenbegehungen stattgefunden hatten. Die Lage des T-förmigen Schnittes wurde teils nach Geländetopographie, teils nach Fundverteilung gewählt. Ziel war es, Art und Ausdehnung der hier vermuteten Siedlung festzustellen. Insgesamt wurden etwas mehr als 600 qm aufgedeckt, wobei jedoch deutlich weniger Befunde als erwartet auftraten.

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Vor allem im Bereich der sandigen Geländekuppe traten direkt unterhalb des Pflughorizontes einige Befunde auf, darunter eine Grube mit Ofenabfällen und eine Feuerstelle. Nicht weit davon entfernt konnten zwei dicht beieinanderliegende große slawische Gruben entdeckt werden. Eine Kulturschicht war nur noch sehr vereinzelt auszumachen, größtenteils war sie durch das Pflügen schon zerstört. Über weite Teile der flachen Kuppe in Niederungsrandlage erstreckte sich eine durch bodenbildende Prozesse bereits überprägte Schicht, die regellos relativ viel urgeschichtliche Keramik enthielt. Sie schloß sich vorwiegend nördlich und nordöstlich an die Geländekuppe an. Ihre Genese liegt derzeit noch im Dunkeln.

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Ab September stand das Gebiet östlich des Höhbecks im Vordergrund der Grabungsaktivitäten. Hier, an der Seegemündung in die Elbe, liegen mehrere slawische Siedlungsplätze dicht beieinander. Die ebenfalls hier gelegene Burg von Meetschow macht dieses Gebiet noch interessanter. Nach den guten Ergebnissen der Sondagegrabungen im Juni innerhalb der Eichenschonung sollten die Untersuchungen auf diesem Siedlungsplatz (Vietze Fpl. 63) fortgesetzt werden. Nach der Getreideernte auf dem südlich anschließenden Acker wurde hier ein Schnitt von 4 x 50 m geöffnet. Im Gegensatz zu Kapern übertrafen hier die Ergebnisse nun die Erwartungen: auf der relativ kleinen Fläche entdeckten wir fast 40 Befunde.

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Zwar gehörten auch hier nicht alle Befunde in die slawische Zeit, aber doch der größte Teil. Ausnahmen bildeten hauptsächlich drei spätbronzezeitliche Urnenbestattungen und eine Grube der römischen Kaiserzeit.

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Die slawische Kulturschicht war größtenteils noch erhalten, drei Grubenhäuser wurden durch den Schnitt teilweise erfaßt. Das Fundmaterial umfaßte hauptsächlich mittel- und spätslawische Keramik, daneben Tierknochen, einige Eisenmesser sowie zwei Spinnwirtel.

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Herausragend war der Fund eines gut erhaltenen Sachsenpfennigs in einer slawischen Grube, der in das letzte Viertel des 10. Jahrhunderts (Prägezeitraum ca. 975-985) datiert werden kann.

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Dr. Jens Schneeweiß

Fotos: J. Schneeweiß
Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 07. August 2009 um 10:47 Uhr