Slawen an der unteren Mittelelbe

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Erste Sondagen in Vietze (Höhbeck) im Juni 2005

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Im Anschluß an die Oberflächenbegehungen vom April wurden im Juni auf dem Siedlungsplatz Vietze 63 mehrere Suchschnitte durchgeführt. Sie lagen innerhalb einer Eichenschonung. Obwohl ein großer Teil der Befunde bereits durch den Tiefpflug zerstört war, konnten am südlichen Rand der Schonung vielversprechende slawische Siedlungsreste entdeckt werden. Weiter nördlich wurden Reste spätmittelalterlicher Besiedlung gefunden.

 

Wie geplant wurde im Juni 2005 mit kleiner Mannschaft eine 10-tägige Grabungskampagne durchgeführt. Möglichkeit dafür bot eine nicht landwirtschaftlich genutzte Eichenschonung am Elbniederungsrand südöstlich von Vietze (Fpl. 63). Sie schließt sich direkt an die im Frühjahr begangene Fläche gegenüber der Vietzer Kapelle an, auf der vorwiegend spätmittelalterliche Keramik gefunden worden war. Es war zu erwarten, daß sich das Siedlungsgelände noch weiter am Niederungsrand entlang erstreckte, denn auf der südlich angrenzenden Ackerfläche waren ebenfalls zahlreiche Scherben gefunden worden.



Mit vier kleinen Suchschnitten wurden insgesamt knapp 70 qm untersucht. Ernüchternd war die Erkenntnis, daß durch das Tiefpflügen im Vorfeld der Eichenanpflanzungen der größte Teil der Befunde zerstört worden war: die Eingriffstiefe betrug durchgehend mindestens 80 cm. Immerhin wurden wir in zwei Sondagen fündig. Im nördlichsten Schnitt konnten Reste spätmittelalterlicher Befunde dokumentiert werden, die sich in das von den benachbarten Begehungen bekannte Bild einfügen und die Mindestausdehnung der damaligen Besiedlung anzeigen. Im südlichsten, randlich in der Schonung gelegenen Schnitt deckten wir einen vom Tiefpflug verschont gebliebenen Bereich auf. Dadurch war hier die Befunderhaltung deutlich besser. Im Gegensatz zur ersten Sondage stießen wir hier auf slawische Siedlungsreste: Überreste eines Ofens, eine flache Hausgrube sowie Reste einer Kulturschicht ließen diesen Fundplatz vielversprechend erscheinen. Überraschend war zudem der Fund eines silbernen Ringes.

 

Unterhalb der slawischen Befunde zeugte eine ältere Kulturschicht von einer früheren Besiedlung des Platzes. Sie war teilweise bereits stark verwaschen, so daß sich die zugehörigen Gruben nur sehr schwach im anstehenden Sand abzeichneten. Ihr Alter ist zur Zeit noch offen, das Fundmaterial ließ zunächst lediglich eine urgeschichtliche Datierung zu.

vietze63_juni
Reste eines slawischen Befundes über einer urgeschichtlichen Grube und Kulturschicht. Rechts im Profil: Zerstörung durch den Tiefpflug.

 

In den anderen beiden Sondagen waren keine weiteren Befunde erhalten.

 

Im Sommer soll auf dem benachbarten Acker eine etwas größere Fläche untersucht werden.

Dr. Jens Schneeweiß / Sophie Linnemann

 

 

Foto: J. Schneeweiß

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 07. August 2009 um 10:47 Uhr