Slawen an der unteren Mittelelbe

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Weitere Ausgrabungen am Burgwall Lenzen Fpl. 9

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Im August 2005 fand die zweite Ausgrabungskampagne des Lehrstuhls für Ur- und Frühgeschichte der Universität Greifswald am Burgwall Lenzen 9 statt. Bei der neuntägigen Untersuchung wurden zwei Schnitte angelegt, im Süden des großen Burgwalls und im Bereich des kleinen Ringwalls. Damit sollte Aufschluss über die Befestigungs- und Besiedlungsabfolge gewonnen werden.

Im Schnitt 3, der die äußere, große Befestigung durchschnitt, konnten ein Wall des 9. Jhs. in Holz-Erde-Konstruktion mit tiefem Graben festgestellt werden, in der Innenfläche ein Kastenbrunnen und weitere slawische Siedlungsreste wie z. B. eine leicht eingetiefte Hausstelle mit Herd. Darüber lag eine Strate mit zahlreicher Kugeltopfware des 12./13. Jhs. Auch der Wallgraben wurde in jener Zeit erneuert.


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Der Kastenbrunnen des 9. Jhs.

Im Schnitt 4 am kleinen Ringwall wurde eine zweiphasige mittelslawische Wallsituation mit zwei Gräben erfasst. Auch dieser Wallring war in frühdeutscher Zeit restauriert worden, die Innenfläche - wie eine große Hausstelle mit einem vermutlichen Lehmkuppelofen zeigt - intensiv besiedelt. Im Burgwall wurden mit Kulturschichten, Scherbenpackungen, Feuerstellen und Gruben Spuren intensiver slawischer Siedlung beobachtet, die nach der in großen Mengen geborgenen Keramik - hier überwiegt deutlich der Menkendorfer Typ - später anzusetzen ist als die Siedlungsschicht im großen Wall: Sie gehört in das spätere 9. und die erste Hälfte des 10. Jhs.

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Schnitt durch den kleinen Ringwall

Insgesamt zeichnet sich in Lenzen 9 eine Genese von der Großburg des 9. Jhs. zum kleinen Ringwall um 900 ab. Nach einem Hiatus seit der ersten Hälfte des 10. Jhs. - im Zusammenhang mit der Schlacht bei Lunkini 929 (?) - wurde die Anlage im späten 12. Jh. nochmals stark ausgebaut, und zwar als Turmhügel mit zwei Vorburgen.

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Ansicht des Burgwalls (große Baumgruppe) in der Löcknitz- und Elbeniederung

Für die engagierte Mitarbeit ist den Greifswalder Studierenden Frank Bothe, Anne Dombrowsky, Susanne Haß, Andreas Kieseler, Anja Noack, Martin Planert, Alexander Pust, Holger Warnke und Robert Zimmermann zu danken, für die Unterstützung Dr. Norbert Goßler und Dr. Günter Wetzel sowie Jörg Hildebrandt (BLDAM).

Dr. Felix Biermann

Fotos F. Biermann

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 07. August 2009 um 11:11 Uhr