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Die Ausgrabungen in der Vorburgsiedlung des Burgwalles von Friedrichsruhe

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Seit April laufen die archäologischen Grabungen im Vorburgbereich. Im Vordergrund der Untersuchungen stehen vor allem die Flächen, auf denen in den Wintermonaten durch das Institut für Geophysik der Universität Kiel Messungen mit der Geomagnetik und dem Georadar durchgeführt worden sind.

Die Resultate dieser Untersuchungen bestätigen die Existenz eines die Vorburg umgebenen Außengrabens, der bereits durch Luftbilder bekannt war, und geben Hinweise auf eine mögliche Befestigungskonstruktion an der Innenseite des Grabens. Nach Auswertung der Bilder aus der Geomagnetik und dem Georadar ist somit von einer befestigten Vorburgsiedlung in Friedrichsruhe auszugehen.

Bislang wurden zur Überprüfung der geophysikalischen Ergebnisse zwei Schnitte geöffnet, die innerhalb der Messfläche des Georadars liegen und somit auch einen Vergleich der verschiedenen Methoden zulassen.

Schnitt 1 (20x20m) liegt im nördlichen Bereich des Siedlungsbereiches der Vorburg. Dort sollte eine annähernd lineare Struktur, die im Georadarbild zu erkennen war, archäologisch dokumentiert werden. Allerdings scheinen einzelne Bereiche der sandigen Kuppe, auf der die Vorburgsiedlung liegt, bereits erodiert oder planiert sein, so dass keine archäologisch relevanten Befunde erkannt werden konnten. Die im Radar erkennbare Struktur stellt den Übergang zu den noch erhaltenen Resten einer etwa 20 cm mächtigen Kulturschicht am Hang der Kuppe dar, die aufgrund der geborgenen Keramik in das 9. und 10. Jahrhundert zu datieren ist. Interessanterweise liegt die Kulturschicht auf einem torfigen Untergrund auf und ist von einer max. 30 cm mächtigen Schicht aus Kolluvium bedeckt, was die Erhaltung der Schicht bewirkt haben dürfte. Befunde sind nur vereinzelt aufgetreten, wobei es sich in der Regel um Reste von Feuerstellen handelt. Des weiteren finden sich Hinweise auf einen zerstörten Kuppelofen. Neben der Keramik konnten mehrere Spinnwirtel und Wetzsteine geborgen werden. Eine Glasperle mit Sonnenmotiv dürfte als Import anzusprechen sein. Mit einer spätkaiserzeitlichen Bügelknopffibel aus Bronze und einer neolithischen Pfeilspitze aus Flint ist auch deutlich älteres Fundmaterial aus dem Schnitt überliefert.

Der Schnitt 2 (20x10m) schneidet die vermutliche Befestigungskonstruktion. Die Arbeiten im Schnitt sind derzeit noch im Gange, allerdings zeichnen sich bereits in den oberen Plana deutlich rechteckige, mit Torf verfüllte Verfärbungen im hellen Sandboden ab, die als hölzerne Kästen interpretiert werden dürften. Die ehemaligen Holzbohlen konnten mehrfach als Verfärbungen nachgewiesen werden, in Einzelfällen sind sie noch erhalten. Hinter den Kästen fanden sich mehrere Steinpackungen, die wohl in unmittelbaren Zusammenhang mit der Holzkonstruktion stehen. Eine klare Ansprache des Gesamtbefundes ist allerdings bislang noch nicht möglich, die Zeitgleichheit zum Burgwall ist durch das geborgene Keramikmaterial wohl gesichert. Der Schnitt soll im Anschluss nach Norden erweitert werden, um auch den Außengraben fassen zu können. Im Südteil des Schnittes konnte auch ein rechteckiger Befund angeschnitten werden, der als Hausgrundriss interpretiert wird. Da der Befund ins Profil zieht, soll dort der Schnitt nach Süden erweitert werden, um den möglichen Grundriss vollständig im Planum zu erfassen.

Die im Sommer stattfindenden Lehrgrabungen der Universitäten Münster und Rostock werden weiterhin Siedlungsareale sowie die Befestigungskonstruktion im östlichen Vorburgbereich untersuchen. Zum Tag des offenen Denkmals, der voraussichtlich am zweiten Septemberwochenende (10./11.09) stattfinden wird, kann auch die Grabung in Friedrichsruhe besucht werden. Führungen werden dort den neusten Stand der Grabungsarbeiten erläutern.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 07. August 2009 um 09:54 Uhr