Slawen an der unteren Mittelelbe

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Beiträge Ältere Beiträge Prospektionen im Wendland

Prospektionen im Wendland

E-Mail Drucken PDF

Die Projektaktivitäten des Seminars für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen im Wendland wurden im März dieses Jahres eröffnet.

 

web1a
März 2005. Burg und Vorburgsiedlung Meetschow am (im) Laascher See.

 

Durch die langanhaltende Kälte und hohe Wasserstände konnte mit systematischen Feldbegehungen erst am 20.03. begonnen werden.



web2a
März 2005. Systematische Feldbegehung des Fundplatzes Kapern 8.



Zunächst wurden 2,5 ha des Fundplatzes Kapern 8 begangen. Das Getreide war noch niedrig genug, so daß große Mengen Keramik aufgesammelt werden konnten. Nach erstem Augenschein handelt es sich in erster Linie um altslawisches Material, möglicherweise war der Platz auch in einer früheren Periode schon belegt. Nach der Ernte wird im Sommer eine begrenzte Grabung genauere Erkenntnisse liefern.

 

web3a
April 2005. Systematische Begehung des Kartoffelackers vor Vietze.

 

Die Prospektionen wurden im April am Höhbeckrand fortgesetzt. Etwa 5 ha einer Fläche am Rand der Ortslage gegenüber der Vietzer Kapelle waren inzwischen gepflügt und mit Kartoffeln versehen. Zwei dunkle Verfärbungen mit aufgepflügter Holzkohle und zerglühten Steinen traten deutlich zutage. Das geborgene Fundmaterial ist hauptsächlich spätslawisch und spätmittelalterlich, es liegt nahe, hier die bisher nicht sicher lokalisierte Vorgängersiedlung des Ortes Vietze zu vermuten. Die Fundstelle erstreckt sich noch weiter nach Süden. Dort konnten jedoch keine Begehungen stattfinden, weil hier eine Eichenschonung und ein Getreidefeld liegen.

 

web4a
April 2005. Vietze. Bohrstocksondierung einer Verfärbung auf dem Acker.



Das Ausmaß der Zerstörung der Kulturschicht durch das Pflügen wurde exemplarisch an einer der Verfärbungen durch Bohrungen untersucht. Dabei stellte sich heraus, daß ihre maximale Mächtigkeit unterhalb des Pflughorizontes kaum mehr als zwei Dezimeter beträgt. Zu einem größeren Teil scheint sie bereits vollständig zerpflügt zu sein.

 

web5a
April 2005. Sondierungen mit dem Bohrstock auf dem Ortschenberg am Laascher See gegenüber vom Burgwall Meetschow.

 

Bohrungen wurden ebenfalls auf dem sogenannten Ortschenberg gegenüber vom Burgwall Meetschow durchgeführt (Brünkendorf Fpl. 13). Es handelt sich hier um unbestelltes Weideland, so daß systematische Oberflächenbegehungen nicht möglich sind. Wir beschränkten uns zunächst auf den unbewaldeten Bereich der Kuppe. Auf der Kuppe selbst ließ sich eindeutig eine teilweise bis zu 3 dm mächtige Kulturschicht unterhalb des A-Horizontes nachweisen, die nach Westen in Richtung Laascher See noch deutlicher wurde, während sie Norden und Osten auszulaufen schien. Damit korrespondierten in etwa Keramikfunde, die in den Erdauswürfen von Mauselöchern geborgen werden konnten. Weitere Funde aus solchen „Miniaturaufschlüssen" belegen eine erheblich weitere Ausdehnung des Fundplatzes im Norden. Eine fundleere Zone scheint beide Bereiche voneinander zu trennen. Ob das der historischen Realität entspricht oder überlieferungsbedingt ist, kann aufgrund der sehr ausschnitthaften bisherigen Erkenntnisse noch nicht entschieden werden.

 

web6a
Ende März 2005. Blick über die überschwemmte Vorburgsiedlung Meetschow. Im Hintergrund der Ortschenberg (Brünkendorf Fpl. 13).

 

Erste Sondagen sind im Juni vorgesehen, die eigentlichen Grabungen werden in der vorlesungsfreien Zeit in der zweiten Julihälfte 2005 beginnen.

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 07. August 2009 um 11:50 Uhr