Slawen an der unteren Mittelelbe

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Grabungen an den Fundplätzen Eldenburg 4 und Lenzen 9

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Vom 14.03. bis zum 23.03.05 fanden durch die Universität Greifswald erste Sondagegrabungen in Eldenburger Schlossbereich und am slawischen Burgwall Lenzen 9 statt.

Die Geländeaktivitäten im Teilprojekt „Linonen Westprignitz“ begannen am 14.03.2005 mit Lehrgrabungen der Universität Greifswald (Leitung Dr. Felix Biermann) in Eldenburg und am Burgwall Lenzen Fundplatz 9.
Im ehemaligen Schlossbereich von Eldenburg konnte durch zwei Grabungsschnitte die vermutete Existenz eines slawischen Burgwalls nicht bestätigt werden. Die Grabung ergab ebenfalls keine Hinweise auf die dort bisher lokalisierte deutsche Burganlage des Spätmittelalters. Dokumentiert wurde lediglich das Fundament des bis 1947 erhaltenen Renaissanceschlosses, das 1580/1600 durch Philipp von Quitzow errichtet worden war (Abb 1.).


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Anschließend an Eldenburg wurde durch das Greifswalder Team der mutmaßliche slawische Burgwall Lenzen 9 untersucht. Dort wurden insgesamt zwei Schnitte angelegt. Der Hauptschnitt wurde von der Kuppe der höchsten erhaltenen Erhebung des Burgwalls, die als Turmhügel gedeutet worden war, durch den Grabenbereich geführt (Abb. 2).


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Dabei konnte eine mindestens zweiphasige slawische Wallsituation mit zwei vorgelagerten Gräben festgestellt werden (Abb. 3-4).

 

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Abb.3


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Abb.4

 

Nach einer ersten vorläufigen Durchsicht der im Wallbereich geborgenen Keramik kann die slawische Nutzung in früh- bis mittelslawische Zeit datiert werden. In frühdeutscher Zeit wurde auf die Wallruine ein Turmhügel gebaut, von dem gebrannte Lehmreste auf der Kuppe und ein Graben mit mehreren Pfostenlöchern dokumentiert werden konnten (Abb. 5).


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Der kleinerer Schnitt in der Innenfläche des Burgwalls erbrachte eine dünne Stratigraphie neben Resten einer Kulturschicht, einer Pfostengrube und einer weiteren Grube auch Scherben, die eine intensive Nutzung des Geländes vor allem in mittelslawischer Zeit, aber auch in frühdeutscher Zeit belegen.
Die vorwiegend aus dem kleineren Schnitt stammenden Funde - Keramik, wenige Knochen, ein Eisenmesser - bestehen aus Sukower, Feldberger, Menkendorfer und Tornower Ware. Vermutlich aus frühdeutscher Zeit stammen mehrere frühe Kugeltopfränder.
Vermutlich wurde Lenzen 9 als Feldberger Burgwall in frühslawischer Zeit als ovale Großburg von ca. 100-120 m Durchmesser gegründet und erhielt spätestens in mittelslawischer Zeit den Einbau eines kleinen Ringwalls. Nach dem bisherigen Fehlen von spätslawischer Keramik zu schließen, wurde die Burg vor Mitte des 10. Jh. aufgegeben. In frühdeutscher Zeit erfolgte die Wiederbesiedlung als Turmhügel.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 07. August 2009 um 11:16 Uhr